Ein kurzer Besuch in der us-amerikanischen Stadt Philadelphia, in der vor über 200 Jahren die berühmte Unabhängigkeitserklärung und die US-Verfassung verkündet wurden, ist auch heutzutage höchst interessant – und viele Besucher lassen sich in Kutschen um das berühmte Gebäude fahren. 

Vom Filmklassiker „The Philadelpia Story”, der in Deutschland einst als „Die Nacht vor der Hochzeit” in die Kinos kam, und mit Katharine Hepburn, Cary Grant und James Stewart brillant besetzt war, rede ich hier nicht, sondern von jenem politischen Ereignis, das Philadelphia in die Geschichte eingehen ließ.  Denn die historische Entscheidung, sich von Großbritanninen loszusagen, fiel vor langer Zeit in der heute fünftgrößten US-Stadt an der Ostküste des Landes und machte die USA in der Folge zur Weltmacht Nr. 1.

Persönliche Erinnerungen. Als wir – eine bunte Reisegruppe aus Deutschland – in der 57. Straße in New York mit einem Greyhound-Bus aufbrechen, um nach Washington zu fahren – bitten wir Reiseleiter und Busfahrer, in Philadelphia, das nicht im offiziellen Programm stand, eine außerplanmäßige Pause einzulegen. Wenn schon mal die Gelegenheit da ist, Geschichte zu schnuppern… Die beiden lassen sich überreden.

Kurz vor der Stadt verlässt der Fahrer den mit Werbeschildern übersäten Highway, überquert den breit dahinfließenden Deleware, steuert ins Zentrum, und stoppt auf einem Parkplatz an der Marketstreet – ganz in der Nähe jener berühmten „Indendepent Hall”, in der am 4. Juli 1776 die Loslöung der nordamerikanischen Kolonien von Großbritannien verkündet und 1787 auch die Verfassung unterzeichnet worden ist. Wegen der historischen Bedeutung des Ereignisses zählt das Gebäude zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Obwohl die Atmosphäre vor Ort durchaus beeindruckend ist – schließlich ist es ein Unterschied, Geschichte nur aus Büchern zu schöpfen oder am Ort des historischen Ereignisses zu stehen –, bleiben zwiespältige Gefühle. Denn obwohl einerseits damals Menschenrechte verkündet wurden, galten diese seinerzeit nur für weiße Männer, nicht aber für Frauen, keineswegs für sogenannte „freie Schwarze” und schon garnicht für Sklaven.

US-Politik, gleich welcher Machart beruht auch heute noch auf dieser Widersprüchlichkeit aus den Geburtsstunden der Vereinigten Staaten. US-Präsidenten, ganz gleich ob Kennedy, Carter, Bush, Obama oder Trump betreiben nur das Tagesgeschäft, das dann gegebenenfalls in diese oder jene Richtung politischer Konjunktur ausschlägt.

Thomas Jefferson (1743-1826), der von 1801 bis 1809 dritter Präsident der USA war, ist als Hauptautor der Unabhängigkeitserklärung in die Geschichte eingegangen. Doch maßgeblich beteiligt am Dokument war auch ein gewisser Benjamin Franklin, ein Mann, der noch heute in der Stadt verehrt wird, weil er die ersten Freiwilligen Feuerwehren in Philadelphia sowie die erste Leihbibliothek Amerikas gegründet hat – und ganz nebenbei den Blitzableiter erfand.

Der Aufenthalt ist zu kurz

Nur fünfzig Minuten in Philadelphia zu verbringen – so viel Zeit hat uns der Reiseleiter freundlichst eingeräumt –, das ist zu wenig, der Aufenthalt reicht nicht aus, um einen auch nur annähernd bleibenden Eindruck von der Stadt, geschweige denn vom geschichtlichen Hintergrund zu gewinnen. Eindrücke sind gleichwohl haften geblieben von dieser Momentaufnahme in der Stadt, die von 1790 bis 1800 auch Hauptstadt der USA war, zu einer Zeit, als George Washington (von 1789-1797) der erste Präsident der Vereinigten Staaten gewesen war. Sein Denkmal steht vor der Indenpedent Hall.

Sich vor Ort intensiver in die Geschichte der Vereinigten Staaten zu vertiefen, bleibt uns schon aus Zeitgründen verwehrt. Schließlich geht es bei diesem Kurzstopp ja auch nur darum, in der Unabhängigkeitshalle ein klein wenig historische Atmosphäre zu schnuppern, und anschließend den Bus-Parkplatz (zur Zeit der Reise noch ganz ohne Handy oder GPS) wieder zu finden, sich dabei die Füße zu vertreten, und in einem Drugstore einen kleinen Brunch zu nehmen.

Gründervater William Penn

Als wir weiterfahren, sehen wir aus einiger Entfernung die mächtige „City Hall”, auf deren Spitze sich das Denkmal eines gewissen William Penn befindet. Penn hat einst sowohl die Stadt als auch den Staat Pennsylvania gegründet, was unschwer an den vier ersten Buchstaben des Staatsnamens zu erkennen ist.

Ehe wir die Stadt verlassen, fahren wir durch jenes Villenviertel, in dem die eingangs erwähnte Komödie „Philadelphia Story” (Die Nacht vor der Hochzeit) spielte… So schließt sich der Kreis.