Kreativität, Musikalität und gute eisläuferische Fähigkeiten waren von jeher ausschlaggebend für den dauerhaften Erfolg von Eisrevuen. Um das Publikum zu fesseln, sind außerdem prunkvolle Ausstattungen, farbenfrohe Kostüme und humoristische Einlagen unerlässlich.  (Symbolfoto: Clipdealer)

Als die us-amerikanische Eisrevue „Holiday on Ice” im Dezember 1951 erstmals in der Bundesrepublik Deutschland gastierte, hatte sie alle diese wichtigen Elemente überaus perfekt einstudiert. „Fox tönende Wochenschau” hatte im Kino-Vorprogramm des Roxy-Filmtheaters in Frankfurt einen Kurzbericht über den Erfolg der Eisrevue „Holiday on Ice” in Nordamerika gezeigt. Obwohl in Schwarz-Weiß und kaum länger als 30 Sekunden, waren die Bilder doch so beeindruckend, dass ich als junger Zuschauer hoffte, die temporeiche Show irgendwann in naher Zukunft auch in Frankfurt am Main live erleben zu können.

Ende 1951 war es dann so weit. In der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” vom 21. Dezember wurde ein Inserat veröffentlicht, in dem für das Gastspiel in Halle 6 A des Frankfurter Messegeländes die Werbetrommel gerührt wurde:

„Holiday on Ice. Die größte amerikanische Eisrevue zum ersten Mal in Deutschland! 140 Mitwirkende in 23 Nummern.”

Das war Musik in meinen Ohren. „Zwischen den Jahren”, also von Weihnachten bis zum 3. Januar 1952, sollten die Auftritte stattfinden, Eintrittskarten waren für 1,50 bis 7,50 Mark zu haben. Das Programm begann täglich um 20.00 Uhr, am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag wurde je eine Zusatzvorstellung um 15.30 Uhr gegeben.

Farbenfrohes Feuerwerk

Diese Angaben waren Grund genug, um sich (erfolgreich) bei der Vorverkaufsstelle Schmidt im Kaufhof um eine Eintrittskarte zu 3,00 D-Mark zu bemühen. Und der Besuch lohnte sich. Die Halle war ausverkauft. Fast drei Stunden prasselte ein Feuerwerk rauschender Szenen auf uns Zuschauer nieder, farbenfroh und glitzernd knirschen die Eisläufer auf ihren Kufen über das Eis, ruhige Szenen wechselten mit temporeichen, aber gleichwohl eleganten Passagen. Klassischer Eiskunstlauf und höchst glamouröse Bilder vermischten sich. Am beindruckensten waren die prachtvollen Kostüme, die prunkvolle Ausstattung sowie die musikalische Untermalung.

Alles war höchst professionell, minutiös geplant und durchgeführt, genau so, wie ich es als junger Besucher von einer amerikanischen Show erwartete. Perfektion war schon damals ein Markenzeichen von „Holiday on Ice”, einer Revue, die im Dezember 1943 in Toledo im Bundesstaat Ohio als kleine Show zur Unterhaltung von Weihnachtsgästen in einem Hotel begonnen hatte. Weil zu dieser Zeit gerade Ferien waren, entstand auch der Name „Ferien auf dem Eis”.

Zunächst waren die Eisläufer von „Holiday on Ice” in den USA nur sporadisch und noch ein wenig amateurhaft aufgetreten. Erst als der Amerikaner Morris Chalfen 1945 die Mehrheit am bis dahin kleinen Unternehmen erwarb, und in seiner Eigenschaft als CEO (Chief Exekutive Officer) – was nichts anderes als ein Geschäftsführer ist – viel Geld und Arbeit investierte, wurde die Show in den Vereinigten Staaten höchst populär.

Der kommerzielle Erfolg beruhte auch darauf, dass in den Vierziger Jahre transportfähige Kältesysteme entwickelt worden waren, die unabhängig von fest installierten Kühlmaschinen machten. Fast jede Halle konnte auch für Eisshow genutzt werden.

Berühmte Sporter in der Eisrevue

Nach erfolgreichen Stationen in Mittel- und Südamerika begann der Holiday-Siegeszug in Europa. Die Tour führte Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges reisten bis zu fünf verschiedene Shows durch die Vereinigten Staaten und Europa. Ostblock-Gastpiele während des Kalten Krieges erregten großes Aufsehen.

Morris Chalfen verstand es, Olympiasieger und Weltmeister aus dem Amateurlager – in den 50er und 60er Jahren geradezu „skandalös” – als Mitwirkende zu gewinnen, darunter waren zum Beispiel auch Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler Das machte die Show zur Attraktion.

Noch heute tourt die Show – unter gänzlich anderen Besitzverhältnissen – durch Europa, beschränkt sich allerdings bei starker Konkurrenz in vielen Unterhaltungsbreichen auf Gastspiele in Deutschland und Frankreich. (E. S.)