In Frankfurt am Main und Umgebung geht alljährlich Anfang Juli ein international beachteter Wettkampf über die Bühne, der aus 3,8 Kilometer Schwimmen im Langener Waldsee, 180 km Radfahren in der Wetterau und einem abschließenden Marathonlauf an den beiden Uferseiten des Mains in der Stadt besteht: Es handelt sich um einen so genannten „Ironman”, ein brutal hartes Duell der „Eisenmänner” und „Eisenfrauen”.

Die moderne Quälerei soll aus einer Bier- und Schnapslaune heraus entstanden sein und wird – obwohl es schon in den Zwanziger Jahren kleinere Vorgänger in Frankreich gab – einigen alkoholseligen Offizieren zugeschrieben. Ein gewisser John Collins geriet der Legende nach 1977 mit einigen Kollegen darüber in Streit, welcher der auf dem US-Staat Hawaii ausgetragene Wettbewerbe wohl der anstrengendste sei: das 3,8 km lange Waikiki-Schwimmen, das Radrennen in Oahu über 180 km oder der Honolulu-Marathon über die klassische 42,195-km-Distanz.

Eine Insel aus Träumen geboren, ist Hawaii… (Foto: Swift Publisher)

Nach einigen zungenlösenden Getränkerunden verständigten sich die Streithähne schließlich darauf, alle drei Disziplinen innerhalb von 24 Stunden und ohne Pause nacheinander absolvieren zu lassen. Im Februar 1978 standen dann tatsächlich 15 Männer am Start, immerhin zwölf von ihnen erreichten das Ziel. Sieger wurde der Amerikaner Gordon Haller, der sich fortan „Eisenmann” nennen durfte. 12 Stunden, 20 Minuten und 27 Sekunden lang war er unterwegs, heutzutage würde er mit dieser Zeit weit abgeschlagen ankommen, denn sie sportlichen Ergebnisse sind immer besser geworden.

Was aus einer Bierlaune heraus entstand, wird heutzutage höchst kommerziell betrieben (einschließlich möglicher Dopingvergehen) und inzwischen gibt es tausender solcher Gigantenrennen. Geld regiert schließlich auch die Ironman-Welt. Bei den Spitzenathleten ist der Spaß an der Freud’ längst dem Profitum untertan. Auch olympisch ist das Ganze geworden, allerdings auf einer verkürzten Distanz (mit 1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen). Doch das Rennen von Hawaii ist – Geld hin oder her – eben immer noch der Klassiker…

Mit dem Scwhimmen beginnt der Ironman. (Foto: Clipdealer)

Hawaii also… Die Inselgruppe im Pazifischen Ozean selbst hat viele Facetten und ist in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder in den Blickpunkt geraten: Sowohl militärisch als auch politisch. 1941 erfolgte der japanische Angriff auf den dort eingerichteten US-Militärstützpunkt Pearl Habor, was den Kriegseintritt der USA zur Folge hatte. 1959 wurde Hawaii schließlich als 50. Mitglied in die Vereinigten Staaten integriert.

Das ist lange vorbei. Heutzutage ist der Name vor allem mit dem legendären „Ironman” verbunden, wobei verkitschte Romantik ebenso immer eine gewisse Rolle spielte. Schon 1938 hatte Marika Rökk in dem Film „Eine Nacht im Mai” die Faszination des pazifischen Eilandes besungen. Textschreiber Hans Fritz Beckmann hatte eine Melodie der Komponisten Peter Kreuder und Friedrich Schröder mit den Worten unterlegt:

„Eine Insel aus Träumen geboren ist Hawaii, ist Hawaii. Wer sie sieht, ist für alle Zeiten verloren an Hawaii, an Hawaii!”

An die schnulzigen Zeilen aus längst vergangenen Tagen verschwenden die eisenharten Teilnehmer des Triathlon-Klassikers natürlich keinen Gedanken. Sie haben ganz anderes im Sinn: den Sieg! Denn ein Erfolg auf Hawaii ist noch immer das Maß aller Dinge. Da bleibt kein Augenblick Zeit für irgendwelche rührseligen Schlagertexte…