Geschrieben von: Erich Stör – Symbolfoto: Swift Publisher/Signale

Einen besonderen Typ von Unterhaltungsstätten gab es in Deutschland in der Zeit zwischen 1950 und 1990 –: die Aktualitäten-Kinos (AKI) in den  großen Bahnhöfen des Landes. Sie waren gedacht als unterhaltsame „Wartesäle” für Bahnreisende, ehe der Zahn der Zeit sie überflüssig machte – auch in Frankfurt am Main.

In den Nachkriegsjahren waren in Frankfurt viele neue Lichtspielhäuser aus dem Boden gestampft worden. Während in den Stadtteilen und Vororten schon 1945 die ersten Kinos wieder zu spielen begannen, weil sie die Bombenangriffe einigermaßen unbeschädigt überstanden hatten, wurden in der weitgehend zerstörten Innenstadt große Paläste errichtet. Zwar begann es auch hier zunächst ebenfalls mit wieder aufgebauten oder renovierten alten Spielstätten (Bieberbau, Scala, Lichtburg, Hansa, Schauburg), aber bald kamen das Eden und das Roxy (beide November 1948) als Neubauten hinzu.

Zuvor war schon das Luxor am Hauptbahnhof eröffnet worden, im September 1949 wurde erstmals im mächtigen Filmpalast (1500 Plätze) gespielt, das Metro im Schwan folgte drei Monate später (1200 Plätze). Die Kinos boomten. Eine Besonderheit in diesen Jahren stellte das „Aktualitäten-Kino“ im Frankfurter Hauptbahnhof dar, das am Freitag, 25. November 1950, von Kabarettist Werner Finck mit launigen Plaudereien eröffnet worden war.

Das unter den Kurznamen AKI firmierende Unternehmen war allerdings keine direkte Konkurrenz zu den etablierten Kinos, sondern sollte vor allem den wartenden Reisenden die Zeit bis zur Zugabfahrt vertreiben. Deshalb gab es auch zunächst keine Spielfilme zu sehen.

Fünfzehn Stunden in Betrieb

Von 9.00 bis 24.00 Uhr gab es jeweils 50 Minuten andauernde Programme, die aus den wichtigsten Ereignissen der Wochenschauen zusammengeschnitten wurden. Dazu liefen meist Zeichentrickfilme sowie Kurzfilme mit interessanten und vergnüglichen Themen aus allen denkbaren Gebieten des Lebens. So entstand für die Besucher eine Art buntes, bebildertes Magazin.

Der Eintritt betrug lange Zeit und für alle Plätze einheitlich 50 Pfennige, was dazu führte, dass auch viele Kinder und Jugendliche sich hier die Zeit vertrieben. Günstiger als im AKI war nirgendwo in der Stadt Film zu erleben. Um den im Bahnhof Wartenden ein problemloses Kommen und Gehen zu ermöglichen, war der Saal relativ gut beleuchtet, die Sitzreihen waren leicht zu erreichen, an der Stirnseite neben der Leinwand war eine Zeitanzeige installiert, so dass die Besucher jederzeit wussten, „was die Uhr geschlagen“ hatte. Eventuelle Zugverspätungen wurden hier ebenfalls angezeigt.

Trickfilme waren Trumpf

Die vielfältige Programmgestaltung lässt sich gut ablesen an einigen Veröffentlichungen in der Tagespresse. So liefen am Freitag, den 22. März 1951, neben aktuellen Ausschnitten von „Blick in die Welt“, „Fox tönende Wochenschau“, „Neue Deutsche Wochenschau“ sowie „Welt im Film“ ein Hundefilm mit dem Titel „Mein Kamerad“ sowie der Zeichentrickfilm „Ländliche Symphonie“.

Zeitungsanzeigen werben 1951 für das Aki-Programm (Fotomontage: Erich Stör)

Am 25. Mai 1951 wurde neben den üblichen Aktualitäten ein Kulturfilm über das „Münsterland“ angeboten, abgerundet wurde das Programm vom Trickfilm „Katzenkonzert“. Wenige Wochen später war „Lindau, die Altstadt am Bodensee“ zu bewundern, ein Film über seltene Berufe sowie der Trickfilm „Der Schwindel-Akrobat“ rundeten die Vorstellung ab. Überhaupt waren Zeichentrickfilme Kernstücke des Programms.

Und ist der Ruf erst ruiniert…

Als Anfang der 60er Jahre das Fernsehen längst Fuß gefasst hatte in der Bevölkerung und die tägliche Nachrichtensendung die alten Wochenschauen längst überflüssig gemacht hatte, war die Zeit dieser Bahnhof-Kinos – es gab sie u.a. auch in Hamburg, Köln, Hannover und München – in der alten Form vorbei, zumal die Bahn inzwischen mit erhöhter Pünktlichkeit und erweitertem Fahrplan Wartezeiten minimierte. Viele AKIs schlossen.

In Frankfurt überlebte dieser Kino-Typ indessen noch jahrelang, während manches „normale“ Lichtspieltheater längst hatte dicht machen müssen. Das gelang den jeweiligen Besitzern mit radikal geändertem Programm (Action, Western, Kriminalreißer, Sexfilme), was aber den im Prinzip lange Zeit guten Ruf der AKI‘s völlig ruinierte. Insbesondere die pornografischen Streifen waren für das einstmal gute Image verheerend.

Schließlich musste auch das Frankfurter AKI – wie viele zuvor in anderen Großstädten – Anfang der 90er Jahre aufgeben, zumal es auch nicht mehr in die Konzeption der Deutschen Bahn passte, die damit begann, die Bahnhöfe zu Konsumtempeln mit gepflegter Gastronomie und Kulturangeboten auszubauen.