Darmstadt, etwa 30 Kilometer südlich von Frankfurt am Main und rund 50  km nördlich von Heidelberg gelegen, ist eine bunte und vielfältige Stadt an den Toren zu Odenwald und Bergstraße. Kunst, Wissenschaft und Raumfahrt sind große Erlebniswelten in der Stadt. Der Fünffinger- oder auch Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe in Darmstadt ist eines der Wahrzeichen der südhessischen Stadt zwischen Heidelberg und Frankfurt.

Wer als gebürtiger Frankfurter südlich von „Mainhatten” wohnt, hat die Qual der Wahl, wenn es um’s großstädtische Einkaufen oder unterhaltsames Verweilen geht. Weil der Weg nicht allzu weit ist, wird mehr und mehr Darmstadt – und immer weniger Frankfurt – als Ziel für einen Bummel zum Shoppen oder Schauen gewählt, denn von Mörfelden-Wallorf aus führt die Straße an Gräfenhausen vorbei direkt in das nördliche Darmstadt, nicht mehr als zehn Kilometer Wegstrecke.

Einige breite Verkehrsadern durchschneiden die Stadt; das Leben pulsiert. Parkplätze sind wie überall rar, zumal die Stadt mit ihren Hochschulen rund 40 000 Studierende in ihren Mauern hat. In Darmstadt mischt sich deshalb auf eigenartige Weise modernes, technisch angehauchtes Leben mit der kulturell befruchteten Vergangenheit der adligen Herrscher von einst. So bietet Darmstadt das Bild einer Stadt im Wandel der Zeiten…

Auf Initiative von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen war 1899 die berühmte Künstlerkolonie an der Mathildenhöhe ins Leben gerufen worden. Das Motto des Herzogs war schlicht: „Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst“. Allerdings – manchmal sind die Dinge recht profan – erwartete Ernst Ludwig aus der angestrebten Verbindung von Kunst und Handwerk nichts anderes als eine wirtschaftliche Belebung seines Herrschaftsgebietes, was auch persönliche Mehreinnahmen versprach. Gleichwohl prägen die geförderten Künste bis auf den heutigen Tag das Bild der viertgrößten hessischen Stadt nach Frankfurt, Kassel und Wiesbaden.

Mathildenhöhe und Jugendstil

Die Mathildenhöhe selbst gilt noch heute als das Zentrum des Jugendstils, was bei einem Besuch immer wieder sichtbar wird. Das Ensemble aus Fünffinger- oder Hochzeitsturm, Ausstellungsgebäude, Museum, Künstlerkolonie, weiteren Künstlerhäusern und der Russischen Kirche fehlt in keiner historischen Abhandlung oder Stadtbeschreibung. 

Von der Gründung an bis hin zum Ersten Weltkrieg 1914 wirkten in Darmstadt namhafte Künstler, unter ihnen waren Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens. Sie setzten wesentliche Impulse. In vier Ausstellungen (1901, 1904, 1908 und 1914) brachten die Künstler den Menschen der Stadt ihre Vorstellungen vom modernen Leben nahe. Die Mathildenhöhe ist auch immer wieder Schauplatz der Darmstädter Residenzfestspiele. 

Darmstadt verfügt über viele Parks. Besonders das Jagdschloß Kranichstein, die Rosen- und Mathildenhöhe geben die Zeit als fürstliche Residenz wider. Mitten in der nördlichen Stadt befindet sich der Herrngarten. Ich parke in der Nähe und wandele durch den auch bei Studenten besonders beliebten Freizeitpark, der ganz in der Nähe der Technischen Universität liegt und schon vor rund zwei Jahrhunderten vom Landgrafin Karoline der Bevölkerung frei zugänglich gemacht wurde.

Ein Titel für die südhessische Stadt

Seit 1997 prangt auf den Ortstafeln von Darmstadt über dem Schriftzug „Darmstadt” noch der Zusatz „Wissenschaftsstadt”, ein Prädikat, das von der hessischen Landesregierung an die südhessische Kommune verliehen wurde. 

Grund für die Auszeichnung ist die ausgezeichnete Reputation der Hochschulen und aller  anderen Forschungseinrichtungen wie etwa der Technischen Universität (TU), der Hochschule Darmstadt (h_da), der Evangelischen Hochschule (ehd) sowie dem bekannten Kontrollzentrum der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA), die viele Raumfahrtmissionen steuert – spektakulär zuletzt im August 2014 die Landung der Rosetta-Kapsel auf dem Kometen „Tschurjumow-Gerassimenko”.

Ortseingangsschild mit Hinweis auf die Wissenschaftsstadt (Foto: Erich Stör)

Dazu kommen über 30 Forschungseinrichtungen, darunter das Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, die Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten (EUMETSAT) sowie drei Institute der Fraunhofer-Gesellschaft. Weitere Firmen und Einrichtungen der Kommunikations- und IT-Branche, die angewandte Forschung und Entwicklung betreiben, runden das Bild ab.

Die Darmstädter Lilien

Ansehen geniesst neuerdings auch wieder der Sportverein Darmstadt 98 („Lilien”), der nach vielen Jahren in unteren Fußballklassen 2015 völlig überraschend den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hat – von der Vierten Liga bis ins Oberhaus. Die eigentliche Sensation aber war, dass der als Absteiger Nummer eins gehandelte Underdog-Klub die Klasse mit einer enormen Kraftanstrengung halten konnte – wenigstens für ein weiteres Jahr.  Doch auch in Liga 2 ist der Lilien-Auftritt sehenswert. Grund genug auch für die Fußballfans der Stadt beim Hainerfest – dem Vergnügungsspektakel Nummer 1 der Stadt – die Puppen tanzen zu lassen.