Eigenartige Frühlingstage 1945

Die Monate zwischen März 1944 und Sommer 1946 erscheinen mir im Rückblick höchst verwirrend. Die Zeit vor und nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wirkt in der Erinnerung eigenartig, fast seltsam. Besonders der Frühling 1945 hat im Gedächtnis Spuren hinterlassen. In Reichenborn, einen kleinen Westerwald-Dorf – heute zur Gemeinde Merenberg zählend –, erlebte ich das Ende des Krieges an schönen, lauwarmen Frühlingstagen. Der Himmel strahlte azurblau, während am Haus der Zwergschule ein Forsythien-Strauch seine gelbe Pracht entfaltete, hinter dem Hof von Bauer Riebel blühten Gänseblümchen, Sumpfdotterblumen und armenische Traubenhyazinthen.

Im Garten bei Bauer Riebel: Armenische Gartenhyazinthen. (Foto: Erich Stör)

Erinnerungen. Die Alliierten sind bereits im Sommer zuvor in der Normandie gelandet, rücken stetig vor, aber aus den Volksempfängern tönt nach den Wehrmachtsberichten vor allem reichlich Schlagermusik, so als sei die Welt durchaus noch in Ordnung – obwohl schon vor Monaten die Stadt Aachen besetzt worden ist. Kriegstage sind nicht gerade die heitersten – weder für die alteingesessenen Dorfbewohner, noch für die aus der Großstadt nach hier evakuierten Kinder und Erwachsenen, die sich nur schwer zurechtfinden im Leben der wortkargen Landleute.  Weiterlesen

Erste Helden der Sowjetunion

Im Jahr 1934 kam es in nördlichen Eismeer zu einer Rettungsaktion, bei der 104 Menschen von sowjetischen Piloten aus der Arktis ausgeflogen wurden, nachdem das russische Forschungsschiff Tscheljuskin gesunken war. Für sieben der an der spektakulären Aktion beteiligten Piloten gab es beim triumphalen Empfang in Moskau besondere Ehrungen, denn sie durften sich als erste überhaupt mit dem Titel „Held der Sowjetunion“ schmücken.

Das Eis des Nordmeeres, in dem die „Tscheljuskin“ unterging. (Symbolfoto: Swift Publisher)

Die Tscheljuskin war in Kopenhagen gebaut worden und nach einer Skandinavien-Umrundung am 10. August 1933 von Murmansk aus zu ihrer Fahrt über die Beringstraße nach Wladiwostok aufgebrochen. Nachdem die Karasee, die Insel Sewernaja Semlje, der Laptewsee sowie die Ostsibirische See passiert war, wurde das Schiff nahe der Beringstraße vom Eis eingeschlossen und schließlich am 13. Februar 1934, 144 Seemeilen von Kap Uelen entfernt, vom Eis zerdrückt. 

Die Besatzung und die Wissenschaftler retteten sich auf eine große Eisscholle, wobei ein Mann bei der Evakuierung von einem Balken und herabstürzenden Säcken erschlagen wurde. Nachdem der Untergang von Professor Otto Juljewitsch Schmidt – russischer Naturforscher und Expeditionsleiter – über Funk nach Moskau gemeldet worden war, begann einer der größten Rettungsaktionen der Geschichte.

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