Höllenritt über Kopfsteinpflaster

Höllenritt! Unter dieser Bezeichnung ist das Profi-Radrennen Paris-Roubaix berühmt! Warum? Weil nicht nur über asphaltierte Straßen, sondern auch über brutales Kopfsteinpflaster gefahren wird. Ein Klassiker der besonderen Art. Obwohl das Rennen im April immer noch „Paris-Roubaix” heisst, beginnt das Spektakel schon seit 1977 in Compiègne (rund 80 Kilometer nördlich von Paris), und hat seit langem in der Öffentlichkeit den martialischen Beinamen „Hölle des Nordens” erhalten.

Eine Rüttel- und Schüttelpiste bei Paris-Roubaix. (Foto: Clipdealer)

Ein höchst zweifelhafter Begriff, bezieht er sich doch auf die in dieser Region erbittert geführten Schlachten des Ersten Weltkrieges mit Tausenden von Toten und Verletzten. Selbst wenn das Rennen härteste Anforderungen an Mensch und Material stellt, verbietet sich eigentlich die medial-griffige Bezeichnung von der „Hölle”. Daran ändert auch nichts, dass der Wettbewerb von brutaler Machart ist. Mit den Schrecken des Krieges ist er gleichwohl nicht zu vergleichen. Der Autor gesteht freilich, in früheren Jahren den Begriff gedankenlos ebenfalls benutzt zu haben.

Die Herausforderung ist gewaltig. Platzende Reifen, zerbrochene Räder, geschundene Fahrer sind an der Tagesordnung. Von den rund 250 Kilometern Gesamtlänge führen in der Schlussphase immer zirka fünfzig über Kopfsteinpflaster, das noch aus einer Zeit stammt, als knarrende Pferdefuhrwerke ihres Weges zogen – für sie wurden einst die schweren Quader gelegt, nicht aber für moderne Aluminium- oder Carbonräder.

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Schmeling im Waldstadion

Sonntag, 28. September 1947, es ist schon Herbst. In den südlichen Frankfurter Stadtteilen Sachsenhausen und Niederrad sind wieder einmal viele Menschen unterwegs. Das ist immer so, wenn im „Reichssportfeld”, das von den Amerikanern seit Ende des Zweiten Weltkrieges „Victory Park” oder „Victory Stadium” genannt wird, eine Großveranstaltung über die Bühne geht. An diesem Tag boxt nun ein gewisser Max Schmeling gegen einen Mann namens Werner Vollmer aus Magdeburg, wobei es offensichtlich in erster Linie um die Einnahmen geht, die angeblich eine Million Mark betragen sollen – wie die Börse aufgeteilt wird, bleibt ein Geheimnis der Beteiligten.

Max Schmeling siegte durch Knockout in der siebten Runde. (Symbolfoto: Clipdealer)

Schauplatz Stadion also. Das Gelände ist am 1. Mai 1945, schon acht Tage vor der deutschen Kapitulation, vom amerikanischen Stadtkommandanten Joseph Z. Zwahlen im Auftrag der US-Armee beschlagnahmt worden. Die Begründung im Requirierungsdokument lautet schlicht:

“Dieses Eigentum wird von amerikanischen Streitkräften benötigt.”

Punktum. Das Areal wird jedoch in den nächsten Monaten nicht nur von den US-Miltärs genutzt, sondern auch für große Sportveranstaltungen deutscher Vereine freigegeben. Mitte Juli 1946 darf die Frankfurter Eintracht vor 40 000 Zuschauer ein großes Sportfest ausrichten, in dessen Rahmen der VfB Stuttgart ein Fußballspiel gegen Eintracht Frankfurt 1:0 gewinnt. Am 25. August 1946 kommen satte 15 000 Besucher zu den Titelkämpfen der deutschen Leichtathleten, am 1. Dezember 1946 schließlich spielt die Frankfurter Eintracht bei strömendem Regen gegen den 1. FC Nürnberg im Spitzenspiel der Süddeutschen Oberliga vor 30 000 Zuschauern 1:1.

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Schnapsidee auf Fußballtrikot

Wer heutzutage auf die Leibchen der Bundesliga-Profis schaut, sieht sich mit einer Vielzahl von Namen aus der Internationalen und deutschen Wirtschaftswelt konfrontiert; mit der Zahlung erheblicher Summen an die Fußballklubs hoffen die Firmen bei Zuschauern im Stadion, bei TV-Übertragungen oder via Zeitungs- und Internetfotos Aufmerksamkeit zu erreichen. Klappern gehört in der Branche zum täglichen Handwerk. Marketing ist das simple Schlüsselwort für die Werbestrategen. Und so sind Fußballklubs beliebte „Multiplikatoren“ für die Reklamebotschaften.

Das ungewohnte Bild eines werbefreien Fußballers. (Symbolfoto: Clipdealer)

Das Spektrum reicht von einer arabischen Fluggesellschaft (Hamburger SV) bis hin zum Fensterbauer (FSV Mainz 05). Außerdem buhlen fünf Getränke- oder Lebensmittelbetriebe um potentielle Kunden (1. FC Köln, Werder Bremen, RB Leipzig, Eintracht Frankfurt, SC Freiburg). Außerdem sind Softwarekonzerne (TSG Hoffenheim, SV Darmstadt 98), Energierriesen (Borussia Dortmund, Schalke 04) und Versicherungen (FC Augsburg, Bayer Leverkusen) im Geschäft. Je ein Telefonanbieter (Bayern München), Buchmacher (Hertha BSC), Kreditinstitut (Borussia Mönchengladbach), Autohersteller (VfL Wolfsburg) sowie ein Elektronik-Händler (FC Ingolstadt) vervollständigen das Bild in der ersten Bundesliga.

Viele Jahre sind vergangen, und manche Jüngere erinnern sich kaum noch daran, wie das vor über 40 Jahren alles begonnen hat. Es herrschte jedenfalls helle Aufregung, als der niedersächsische Verein Eintracht Braunschweig unter der Regie von Kräuterschnaps-Brenner Mast 1973 nach einigen Auseinandersetzungen mit dem Deutschen Fußball-Bund die Trikotwerbung mit dem Schriftzug „Jägermeister” etablierte.

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Geld zählen mit Fußballstar Pogba

Ohne alle Grenzen, so scheint es. Dem Wahnsinn scheinen Tür und Tor geöffnet. Die Klubs der obersten englischen Fußballliga kaufen mit geradezu unvorstellbaren Summen die besten Spieler der Welt zusammen. Befeuert wird die Kauflust vom Konkurrenzkampf britischer TV-Medien. Grundlage für die Transfer-Wut ist ein Anfang 2015 geschlossener Dreijahresvertrag der Premier League mit den Fernsehsendern Sky und British Telecom (BT).

Ablösesummen und Gehälter werden immer gigantischer. (Foto: Swift Publisher)

Der Vertrag bringt der Liga ab der Saison 2016/17 pro Spielzeit knapp 2,3 Milliarden Euro. Die Summe zeigt neben der wachsenden Popularität des englischen Fußballs auch den knallharten Konkurrenzkampf um die Rechtepakete zwischen dem marktbeherrschenden Pay-TV-Sender Sky von Rupert Murdoch und BT Sport, einem neuen Wettbewerber der British Telecom.

Die britische Kauflust hat auch Auswirkungen auf die Fußball-Bundesliga. Zuletzt wechselten Levoy Sané (Schalke 04) für 50 Millionen Euro zu Manchester City, Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund) für 27 Millionen ebenfalls zu den Citizens und Henrikh Mchitarjan (Dortmund) für 42 Millionen zu Manchester United. Die genannten Beträge sind schwindelerregend, und der naive Betrachter kann leicht zu der Schlussfolgerung verführt werden, bei solchen Transfersummem könne es sich keinesfalls um real vorhandenes Geld handeln, sondern nur um Monopoly-Spielscheine. Doch die genannten Irrsinnssummen sind keine Fiktion, sondern Nachrichten aus dem kapitalistischen Alltag.

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Geburt der Eisenmenschen

In Frankfurt am Main und Umgebung geht alljährlich Anfang Juli ein international beachteter Wettkampf über die Bühne, der aus 3,8 Kilometer Schwimmen im Langener Waldsee, 180 km Radfahren in der Wetterau und einem abschließenden Marathonlauf an den beiden Uferseiten des Mains in der Stadt besteht: Es handelt sich um einen so genannten „Ironman”, ein brutal hartes Duell der „Eisenmänner” und „Eisenfrauen”.

Mit dem Schwimmen beginnt der Ironman. (Foto: Clipdealer)

Die moderne Quälerei soll aus einer Bier- und Schnapslaune heraus entstanden sein und wird – obwohl es schon in den Zwanziger Jahren kleinere Vorgänger in Frankreich gab – einigen alkoholseligen Offizieren zugeschrieben. Ein gewisser John Collins geriet der Legende nach 1977 mit einigen Kollegen darüber in Streit, welcher der auf dem US-Staat Hawaii ausgetragene Wettbewerbe wohl der anstrengendste sei: das 3,8 km lange Waikiki-Schwimmen, das Radrennen in Oahu über 180 km oder der Honolulu-Marathon über die klassische 42,195-km-Distanz.

Nach einigen zungenlösenden Getränkerunden verständigten sich die Streithähne schließlich darauf, alle drei Disziplinen innerhalb von 24 Stunden und ohne Pause nacheinander absolvieren zu lassen. Im Februar 1978 standen dann tatsächlich 15 Männer am Start, immerhin zwölf von ihnen erreichten das Ziel. Sieger wurde der Amerikaner Gordon Haller, der sich fortan „Eisenmann” nennen durfte. 12 Stunden, 20 Minuten und 27 Sekunden lang war er unterwegs, heutzutage würde er mit dieser Zeit weit abgeschlagen ankommen, denn sie sportlichen Ergebnisse sind immer besser geworden.

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Ballbesitzfetischist Guardiola

Pep Guardiola, katalanischer Fußballtrainer, gilt derzeit als Maß der Dinge im Übungsleiter-Gewerbe. Mit 21 Titelgewinnen (FC Barcelona und Bayern München) innerhalb von nur sieben Jahren ist Guardiola der effektiveste Trainer der Gegenwart. Doch es wäre ein falscher Ansatz, Guardiolas Arbeit nur auf Titel zu reduzieren. Als der Trainer einmal nach seinen Antriebskräften gefragt wurde, berief er sich nicht auf die vielen gewonnenen Trophäen, sondern sagte:

„Mein Traum ist, mit meinen Spielern neue Ideen zu entwickeln und ganz neue Sachen auszuprobieren.”

Das klingt, und da sind wir der Wahrheit wahrscheinlich ganz nahe, nach dem Traum vom perfektem Fußball. Den wird es natürlich nie geben, weil die Unwägbarkeiten des Spiels dem entgegenstehen. Das trifft auch auf den Guardiola-Stil zu, der bei aller Faszination wegen der nicht enden wollenden Ballstafetten schnell langweilig wirkt.

Guaridola hat eigenen Ansichten vom modernen Fußball. (Foto: Clipdealer)

Das System mit seinen ausgetüftelten Laufwegen und Passfolgen hat Schwächen, vor allem gegen extrem defensiv eingestellte Gegner. Doch Guardiolas Philosophie bleibt davon unberührt:

Um gut zu spielen, muss man den Ball haben. Ohne Ballbesitz geht es nicht.”

In der konsequenter Anwendung des „Ballbesitz-Fußballs” sieht Guardiola (gegenwärtig) den Schlüssel zum Erfolg, was sich bei seinen zwei bisher trainierten Klubs eindrucksvoll bestätigt hat. Um wirklich erfolgreich zu sein, braucht es allerdings auch anderer Komponenten. Zum Beispiel: Glück! Das hatte Guardiola insofern, als er auf seiner ersten Arbeitsstelle am Camp Nou in Barcelona auf eine Heerschar der begabtesten Zauberkünstler der Welt traf.

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Alte Fußballliebe FSV Frankfurt

Der FSV Frankfurt – ein Verein mit sehr bewegter Vergangenheit – ist aus der Zweiten Fußball-Bundesliga abgestiegen und kickt derzeit nur in der Dritten Liga. Das ist bitter für den Traditionsverein aus dem Frankfurter Stadtteil Bornheim und genauso unerfreulich für die Fans. Schließlich hat jeder Anhänger seine Lieblingsvereine: Die „Löwen” aus München zum Beispiel, die „Clubberer” aus Nürnberg vielleicht, oder halt den Fußballsportverein.

Der Ball ist zu oft im eigenen Netz. (Foto: Clipdealer)

Auch das Herz des Autors schlägt für eben diesen FSV. Mit Freude erinnere ich mich an alte Zeiten, Jahrzehnte zurück… Als Bub tippelte ich oft von Sachsenhausen, dem südlichen Frankfurter Stadtteil, zum Bornheimer Hang, was ein ziemlich weiter Weg war, aber ich wollte das Geld für die Straßenbahn sparen.

Am Hang, wie das Stadion kurz genant wurde, hatten es mir drei Spieler angetan, die Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre Jahre bei den Blau-Schwarzen spielten. Das waren der ehemalige Nationaltorhüter Willibald Kreß, der Stürmer Richard Herrmann und Mittelläufer Heiner Dietsch. Sie alle interessierten mich aus ganz unterschiedlichen Gründen, sowohl was ihre sportlichen Leistungen als auch ihre persönliche Vita betraf.

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Tausend Meilen durch Italien

Mitte Mai, Brescia, Italien. Menschen schlendern durch die meist sonnigen Straßen, in den Cafés herrscht reges Treiben, die Stadt ist überfüllt, es ist wieder einmal Mille Miglia-Zeit. Auf Hochglanz polierte Rennwagen, die alle im Originalzustand sein müssen und einst an den höchst gefährlichen Hochgeschwindigkeitsrennen über 1000 Meilen in den Jahren zwischen 1932 und 1957 teilgenommen haben müssen, sind zu bewundern, wenn die historische Oldtimer-Parade, die Fans mit der Zunge schnalzen lässt: Oh ja, Bella Macchina!

Stoppuhren sind heute bei der „Mille“ das Maß der Dinge. (Foto: Swift Publisher)

Bevor die Teilnehmer zur ersten Nachtetappe aufbrechen, gibt es den ganzen Tag über „Fachgespräche” an allen Ecken und Plätzen… Der Start der „Historic Mille Miglia” ist für Italien jedes Jahr noch immer ein grosses Ereignis, fast so ähnlich wie zu jener Zeit, als es noch in halsbrecherischem Tempo über Stock und Stein ging, dem Wahnsinn nahe und das im wahrsten Sinne des Wortes. In den Fünfziger Jahren wurde immer unverantwortlicher, ein solches Spektakel auf öffentlichen Straßen und in einem Höllentempo auszufahren.

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Apokalypse des Motorsports

Juni 1955! Vierundachtzig Menschen sterben, als es beim „24 Stunden Rennen“ in Le Mans zu einem schweren Unglück kommt. Das Inferno auf einer der Tribünen gilt als die  größte Katastrophe des Motorsports und wird oft als Apokalypse beschrieben. Viele Zeitzeugen haben den Unfallhergang von 1955 beschrieben. Demnach wollte der Engländer Mike Hawthorn – später Sieger des Rennens – mit seinem Jaguar zum Nachtanken an die Boxen, überholte aber zuvor den deutlich langsameren Austin-Healey seines Landsmannes Lance Macklin, zog aber dann unvermittelt vor ihm nach rechts in Richtung der Boxeneinfahrt, die sich direkt neben der Strecke befand.

Blick auf die Rennstrecke von Le Mans. (Foto: Clipdealer)

Um auszuweichen, zog Macklin nach links, von dort kamen mit geschätzten 250 km/h die Mercedes-Fahrer Pierre Levegh und Juan-Manuel Fangio heran. Fangio schaffte es noch, an den Fahrzeugen von Macklin und Hawthorn vorbei zu schrammen, während der Wagen von Levegh ungebremst auf Macklins Boilden prallte. Wegen dessen relativ flacher Bauweise wirkte das Auto wie eine Rampe. Leveghs Gefährt wurde in die Luft geschleudert und flog erst in die Menge auf einem Erdhügel, explodierte in einem Flammenmeer und Trümmerteile des Autos wurden auf die Zuschauertribüne katapultiert. Das Inferno war da…

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