Im Land der Kannenbäcker

Auf den Jahrmärkten aller Art sind an den Buden oder Verkaufsständen eine Vielzahl von Äppelwoi-Bembeln und Krügen in ihrer typischen grau-blauen Farbe zu entdecken. In Baumärkten finden sich neben Blumenkübeln aus Plastik auch bessere (und teurere) Exemplare aus Ton. In vielen anderen Geschäften und Supermärkten werden schön gestaltete „Römertöpfe” und diverse Gefäße in allen möglichen Farben feilgeboten.

Vielfältiges Kunsthandwerk im Land der Kannenbäcker im Westerwald. (Foto: Clipdealer)

Auf der Dippemess’ in Frankfurt frage ich einen Händler nach der Herkunft seiner Waren. „Einiges stammt aus dem Kannenbäckerland”, sagt der Mann, „das meiste aber wird inzwischen an verschiedenen anderen Standorten industriell hergestellt.” Aus diesem Grund hat das „Kannenbäckerland” an Bedeutung verloren.

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Wissenschaft prägt Darmstadt

Darmstadt, etwa 30 Kilometer südlich von Frankfurt am Main und rund 50  Kilometer nördlich von Heidelberg gelegen, ist eine bunte und vielfältige Stadt an den Toren zu Odenwald und Bergstraße. Kunst, Wissenschaft und Raumfahrt sind große Erlebniswelten in der Stadt. Der Fünffinger- oder auch Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe in Darmstadt  ist eines der Wahrzeichen der südhessischen Stadt zwischen Heidelberg und Frankfurt.

Fünffinger- oder Hochzeitsturm in Darmstadt. (Foto: Clipdealer)

Wer als gebürtiger Frankfurter südlich von „Mainhattan” wohnt, hat die Qual der Wahl, wenn es um’s großstädtische Einkaufen oder unterhaltsames Verweilen geht. Weil der Weg nicht allzu weit ist, wird mehr und mehr Darmstadt – und immer weniger Frankfurt – als Ziel für einen Bummel zum Shoppen oder Schauen gewählt, denn von Mörfelden-Wallorf aus führt die Straße an Gräfenhausen vorbei direkt in das nördliche Darmstadt, nicht mehr als zehn Kilometer Wegstrecke.

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Wasserturm wird „Kulturpalast“

Wer mit Automobil oder Fahrrad über die B 44 von Frankfurt am Main in Richtung Groß-Gerau fährt und sich Mörfelden nähert – einem der beiden Ortsteile der Doppelstadt Mörfelden-Walldorf, sieht sogleich diesen Wasserturm. Das 35 Meter hohe Bauwerk wurde 1929 erbaut und diente bis in die 60er Jahre der Versorgung der Bevölkerung mit Wasser. 

Wasserturm am Ortseingang von Mörfelden. (Foto: Erich Stör)

Als der Turm in Rente ging, wurde, wurde das Erdgeschoss zunächst einige Zeit als Zentrum der Jugendförderung genutzt. Naturfreunde sowie andere Vereine fanden zeitweise Unterschlupf. Später erlebte das Gebäude Führungen interessierter Bürger. Das 2016 gegründete „Projekt Wasserturm” – überwiegend aus Frauen bestehend –, möchte das Gebäude neuerdings wieder verstärkt künstlerisch und kulturell nutzen lassen. Erste Veranstaltungen gingen bereits im Oktober 2016 und im Jahr 2017 über die Bühne. Das Gebäude erwacht also zu neuem Leben.

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Lokalbahn nach Offenbach

Bis Mitte der Fünfziger Jahre verkehrte zwischen Frankfurt-Sachsenhausen und Offenbach die „Lokalbahn“. Früher gezogen von Dampfloks, zuletzt mit Diesel-Kraftstoff befeuert. Ein kleiner historischer Rückblick auf diese ehrwürdige Bimmelbahn erinnert an vergangene Zeiten. Heute gibt es nämlich im dichten Frankfurter S-Bahn-Netz an der Mühlbruchstraße noch immer die Station „Lokalbahnhof”. Sie ist nach dem alten Haltepunkt benannt, der bis 1955 die Städte Frankfurt und Offenbach verband. Vom alten Bahnhof selbst ist dort nichts mehr zu sehen; heute steht hier ein Geschäftsgebäude, Gleise der Straßenbahn befinden sich an jener Stelle, an der das Abfertigungsgebäude stand.

Lokalbahn von Frankfurt nach Offenbach (Foto: Swift Publisher)

An der nahen Kreuzung treffen Darmstädter Landstraße, Textor- und Dreieichstraße aufeinander. Eine Gaststätte trägt ebenfalls den Namen Lokalbahnhof. Auf der anderen Straßenseite ist immer noch das altehrwürdige Harmonie-Kino in Betrieb. Verschüttete Erinnerungen an Sachsenhausen werden wach, als ich dieser Tage hier vorbeigehe… Weiterlesen

Mordsache Rosemarie Nitribitt

Rosemarie Nitribitt, Beruf: Prostituierte, wurde Anfang November des Jahres 1957 – also vor über 60 Jahren – in ihrer kleinen Wohnung in einem Wohn- und Geschäftshaus der Frankfurter Innenstadt ermordet aufgefunden. Der Fall Nitribitt sorgte lange für Schlagzeilen, wurde in einem satirisch-kritischen Buch von Erich Kuby verarbeitet und dann mehrmals verfilmt. Warum erregte der Nitribitt-Mord die Öffentlichkeit über die Maßen, da doch unzählige andere Prostituierte davor und danach eher unbeachtet den Tod fanden? Die Antwort ist wohl in erster Linie in der gesellschaftspolitischen Situation der Bundesrepublik jener Zeit zu finden. Die Nazijahre waren von den Menschen schnell aus dem Gedächtnis verdrängt worden, die Herren in den weißen Westen hatten Oberwasser.

Das Geschäfts- und Wohnhaus, in dem die Nitribitt lebte. (Foto: Clipdealer 2011)

Gut Verdienende umgaben sich mit neuem Luxus, wozu bei dem einen oder anderem auch eine „Lebedame” gezählt haben dürfte. Es war die Zeit des so genannten „Wirtschaftswunders”. Innenpolitisch waren die Jahre geprägt von Ost-West-Konflikten, Wiederbewaffnung, NATO-Beitritt und Kaltem Krieg (mit KPD-Verbot). Gleichzeitig gab sich die Adenauer-Zeit mit ihrer übertrieben christlichen Attitüde prüde und kleinkariert.

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Ein Reporter, ein Schlosser und der Spionagefall Alfred Redl

Der Spionagefall Alfred Redl erschütterte im Jahr 1913 die österreich-ungarische Monarchie. Der Verrat sollte erst vertuscht werden, doch der in späteren Jahren als „Rasender Reporter“ weltberühmt gewordene Egon Erwin Kisch – damals noch ein „Jungspund“ – machte den Fall öffentlich. Der junge Reporter und ein Schlosser spielten bei der folgenden Aufdeckung des Vertuschungsversuchs durch die Militärkaste eine wichtige Rolle.

Das Ferstel-Palais in Wien, durch dessen Passage Redl zunächst flüchtete. (Foto: Clipdealer)

Ein hochrangiger Offizier betreibt Spionage und erschiesst sich nach seiner Enttarnung, seine Vorgesetzten vertuschen den Verrat, ein Fußballspieler lässt seine Mannschaft im Stich und ein Reporter zieht daraus seine Schlüsse – Ingredienzen eines spannenden Spionagedramas. Der Fall des bekannten Generalstabschefs Alfred Redl, der am 24. Mai 1913 als Spion entlarvt wurde und sich auf massiven Druck der Obrigkeit noch in der Nacht Im damaligen Hotel Klomser in der Herrengasse 19 in Wien in der Nähe des berühmten Ferstel-Palais – durch dessen Passage er zunächst geflohen war – erschoss, ist schon einige Male verfilmt worden, meist etwas schlampig wie auch in dem Streifen „Spionage”, der gelegentlich immer mal wieder im TV zu sehen ist. Weiterlesen

Grinsekuh in der Skulpturenstadt

Mörfelden-Walldorf, eine Doppelstadt nahe des Frankfurter Flughafens, hat sich in den vergangenen Jahren einen außerordentlich guten Ruf als „Stadt der Skulpturen” erworben. In jedem Jahr gibt es im August im Bürgerpark eine interessante Ausstellung. Vor einigen Jahren gefiel einer der Veranstaltungen besonders die grinsende Kuh Marsha, geschaffen von der Frankfurter Künstlerin Pia Grambart.

Marsha, die freche Kuh der Frankfurter Künstlerin Pia Grambart. (Foto: Erich Stör)

Außerdem sind in jüngster Vergangenheit in den beiden Ortsteilen schon über 30 verschiedene Werke namhafter Künstler aufgestellt worden – auch mehrere Verkehrskreisel wurden mit Skulpturen bestückt. Einige Kunstwerke in der Stadt sind Leihgaben von jenen Künstlern, die bei der Veranstaltung „Skulpturen im Park” ausstellten. Andere wurden von der Gemeinde im Anschluss an diese alljährliche Freiluft-Ausstellung günstig erworben oder „geleast”.

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„Wespe“ aus der Toskana sticht in der ganzen Welt

Als die junge Schauspielerin Audrey Hepburn 1953 in der Filmromanze „Ein Herz und eine Krone” mit Gregory Peck auf einer Vespa durch die nächtlichen Straßen Roms kurvte, war dies der weltweite Durchbruch des schnuckeligen Motorrollers, der 2016 runde siebzig Jahre alt wurde. Die Vespa war im Sommer 1946 von der Firma Piaggio erstmals gebaut und zur Motorroller-Legende gemacht worden.

Glückliches Hochzeitspaar auf einem Motorroller. (Foto: Clipdealer)

Die damals in der Öffentlichkeit eher unbekannte Fabrik zwischen Pisa und Florenz hatte eine lange Vorgeschichte. 1884 hatte ein gewisser Rinaldo Piaggio im zarten Alter von nur 20 Jahren in der Toskana mit Hilfe seines Vaters ein kleines Sägewerk gegründet; das Geschäft florierte so gut, dass Piaggio seine Angebotspalette bald erweiterte. Weiterlesen

Rätsel um den Sechsfachmord auf dem Einödhof Hinterkaifeck

Auf dem Einöd-Bauernhof Hinterkaifeck in der Nähe von Schrobenhausen wurden am Abend des 31. März 1922 sechs Menschen brutal ermordet, darunter waren zwei Kinder. Bis auf den heutigen Tag steckt dieses Verbrechen voller Rätsel. Obwohl es zahlreiche Verdächtige gab, konnte dieser brutale Massenmord nicht aufgeklärt werden. Eine entscheidende Rolle bei der Nichtaufklärung dürfte gespielt haben, dass viele der technischen Hilfsmittel fehlten, die heute zum täglichen Handwerkszeug der Polizei gehören.

Scheune auf dem Land (Symbolfoto: Swift Publisher)

Die Mordopfer waren der 63 Jahre Bauer Andreas Gruber, seine Ehefrau Cäzilia Gruber, die 35 Jahre alte verwitwete Tochter Viktoria Gabriel, deren Kinder Cäzilia (sieben Jahre alt) und Josef (zweieinhalb Jahre alt) sowie die ledige Dienstmagd Maria Baumgartner, die gerade erst ihren Dienst angetreten hatte.

Über den Fall und die Hintergründe der Morde gibt es zahlreiche Spekulationen und Veröffentlichungen. Inzwischen hat sich die Meinung verfestigt, dass es sich keineswegs – wie anfangs vermutet – um einen Raubmord gehandelt hat, sondern persönliche Rachemotive eine Rolle spielten. Nach heutigem Verständnis wurden die Untersuchungen nicht mit letzter Konsequenz geführt.

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Gift im Zoo und anderswo…

Ende des Jahres 1947, Anfang 1948 ist die Frankfurter Öffentlichkeit aufgewühlt. Der Zoologische Garten wird von einer rätselhaften Serie von Vergiftungsfällen heimgesucht. Unter den Opfern waren auch Biber. Die Zeitungen berichten ausführlich über die Details, aber der Vorfall hat einige Jahre später dann auch noch politische Begleiterscheinungen, wobei die Bonner Regierung und der Filmregisseur Wolfgang Staudte eine Rolle spielen.

Auch Biber zählten zu den Opfern im Frankfurter Zoologischen Garten. (Foto: Oliver Stör)

Was den Frankfurter Zoo anbelangt, so werden dort am 29. Dezember 1947 mehrere Fasane und ein Riesenpapagei tot in ihren Käfigen aufgefunden. Zunächst denkt niemand an was Böses, die Zoo-Verwaltung glaubt an einen Unfall, doch die genaue Untersuchung ergibt , dass die Tiere mit Natriumfluorid vergiftet worden sind.

In der ersten Januarwoche sterben dann fünf Biber sowie ein Rehbock am gleichen Gift, am 12. Januar folgen eine afrikanische Zibetkatze und ein Pavian. Bis zum 22. Februar werden insgesamt 46 tote Tiere gezählt. Danach hören die Todesfälle plötzlich auf. Die Stadtverwaltung ist gleichwohl aufs höchste beunruhigt und fordert in einer Presseerklärung die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Suche nach dem Täter auf. Weiterlesen