Naturparadies Mönchbruch

Ganz in der Nähe von Mörfelden-Walldorf liegt das Naturschutzgebiet Mönchbruch. Es erstreckt sich vom nördlichen Ende Walldorfs bis hin zur Bundesstraße 486 zwischen Mörfelden und Rüsselsheim. Ein Spaziergang im Frühjahr oder Sommer lohnt sich immer… Wer in der morgendlichen Dämmerung unterwegs ist, kann auf den Wiesen bei guten Licht  oft Rehe beobachten; auch Dam- und Schwarzwild tummelt sich hier. Tagsüber sind viele Besucher mit Fotoapparaten oder auch mit Feldstechern ausgerüstet, um die verschiedenen Vögel im Bild festzuhalten oder auch nur zu beobachten.

Blick in die Mönchbruch-Landschaft (Foto: Oliver Stör)

Für Foto-Liebhaber bietet der Mönchbruch unglaublich interessante Motive, denn Schwarzmilane, Eisvögel, Waldohreulen, Reiher und Störche bewegen sich in dem weitläufigen Gelände, sogar Kanadagänse mit Küken sind hier zu Hause. Erlen, Wassergräben, alte Eichen und Sumpfwald prägen das Bild der Landschaft. Als ich an diesem schönen Tag im Frühling den Weg entlang wandere, erlebe ich als nur stiller Beobachter immer wieder diese einzigartige Vielfalt. Weiterlesen

Legenden im „Althoff-Bau“

Der „Franz Althoff-Bau” im Zoo spielte in der Nachkriegsgeschichte eine überaus bedeutende und oft unterschätzte Rolle im kulturellen Leben der Stadt Frankfurt, denn hier wurde den Menschen in den doch eher trostlosen Jahren des Trümmerwegräumens und Wiederaufbauens unterhaltsame Stunden bereitet –, Stunden, die von den Sorgen des alltäglichen Leben ablenkten. Der Zoologische Garten im Ostend der Stadt und dessen Direktor Dr. Bernhard Grzimek spielen in dieser Geschichte eine höchst interessante Rolle.

Treffpunkt der Künstler (Symbolfoto: Clipdealer)

Die Stadt Frankfurt wollte den Zoo nach dem Krieg schließen, doch der geradezu fanatisch-besessene „Tierflüsterer” Bernhard Grzimek griff zu außergewöhnlichen Maßnahmen, um Einnahmen zu erzielten. So ließ er Schauspieler auftreten, woraus später das heute noch existierende Fritz-Remond-Theater entstand, er organisierte Filmvorführungen („Jugendkino im Zoo“), auf dem Gelände des Zoos stand vorübergehend auch eine riesige Achterbahn. Auf dem kleinen Weiher agierte die Garmischer Eisrevue mit der mehrfachen deutschen Meisterin Lydia Veicht, Grzimek ließ Seitänzer auftreten, es gab Jahrmarktsbuden, Hausfrauennachmittage und Modenschauen. Damit bot der Zoo in den tristen Nachkriegsjahren eine unterhaltsame Welt und sicherte zugleich das Überleben der rar gewordenen Tiere.

In dem Buch „Frankfurt und die wilden Jahre” von Richard Kirn und Madlen Lorei heisst es über diese Zeit im Zoo:

„Alles in allem war diese bizarre Welt jahrelang so etwas wie ein letztes Glück in der grauen Stadt.”

In einer Ecke des Geländes gastierten namhafte Artisten über zwei Jahre lang im Cirkus Oskar Hoppe, ehe Hoppe nach Auseinandersetzungen mit Grzimek sein Gastspiel beendete. An seiner Stelle wurde von Zirkusdirektor Franz Althoff ein Festbau errichtet, der aus einer stabilen Holzkonstruktion bestand und rund 3000 Besuchern Platz bot.

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Luftschiffers Zeppelinheim

Zeppelinheim, die Wohnsiedlung in der Nähe des Frankfurter Flughafens wird Ende des Jahres 2017 achtzig Jahre alt. Dieser kleine Rückblick erzählt einige Details über die Gemeinde, die zwischen 1934 und 1937 gebaut worden ist, um privilegierten Mitarbeitern der „Deutschen Zeppelin-Reederei” – insbesondere den Kapitänen und Ingenieuren – am neuen Rhein-Main-Flughafens Unterkunft zu bieten.

Die Entstehung von Zeppelinheim hängt ganz eng mit der Geschichte Frankfurts zusammen. Der Flugplatz auf dem Gelände am Rebstock im Westen der Stadt war zum Ende der Zwanziger Jahre zu eng geworden und entsprach nicht mehr den technischen Anforderungen der damaligen Zeit. Unter diesen Umständen wurde der neue Rhein-Main-Flughafen in einem Waldgebiet südwestlich von Frankfurt konzipiert.

Als die Luftschiffe noch Konjunktur hatten… (Foto: Clipdealer)

Im Zusammenhang damit wurde westlich der neuen Autobahn, die von Frankfurt nach Mannheim führte, auch noch ein Start- und Landeplatz sowie eine große Luftschiffhalle für die gerade in hoher Blüte stehenden Zeppeline errichtet. Und zeitgleich mit dem Bau dieses Luftschiffhafens entstand die Wohnsiedlung zwischen dem Forsthaus Mitteldick und der Riedbahnlinie sowie der östlichen Seite der Autobahn. Die Gründungsurkunde für den Ort Zeppelinheim datiert vom 31. Dezember des Jahres 1937. Weiterlesen

Am 50. Grad nördlicher Breite

Längen- und Breitengrade ziehen sich rund um die Erde: das Gitternetz, dass für die Navigation unerlässlich ist, bleibt für den Normalbürger völlig unsichtbar, hat aber auch jenseits der Koordinaten vielfältige Bedeutung – zum Beispiel kurioserweise sogar für den Weinanbau. Jeder, der vom Stadtteil Walldorf ins nahe gelegene Mörfelden fährt (oder umgekehrt), passiert an der Bushaltestelle Vitrollesring ein Hinweisschild, das den Bewohnern und Besuchern der Stadt erzählt, das just an dieser Stelle der „50. Grad nördlicher Breite” verläuft – tausendfach wird dieser Breitengrad täglich von den Menschen zu Fuß, im Bus oder Auto gequert, ohne das er bewusst bemerkt wird.

Hinweis auf den Breitengrad im Bürgersteig und auf einer Tafel (Foto: Erich Stör)

Das ist kein Wunder, denn die imaginäre Linie des Breitengrades ist weder sicht-noch spürbar, obwohl der ganze Erdball von der Gitternetz-Einteilung der 180 Breiten- und 360 Längengrade überzogen ist. Für die Luft- und Seefahrt ist die geographische Fixierung der Erde in  Längen- und Breitengrade enorm wichtig. Immerhin hat in Zeiten von GPS, Glosnass und Geocaching ein immer größer werdender Kreis von Interessenten gelernt, mit Koordinaten umzugehen. Und nur der Vollständigkeit halber sei hier angemerkt, dass bei automobilen Orientierungsfahrten bereits in den 60er Jahren Koordinatenpunkte gesucht werden mussten.

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Trödelmarkt mit Krimskrams

Der Händler ist entschlossen: „30 Euro, das ist das äusserste!”.  Der potentielle Käufer zögert noch, der Standbetreiber legt nach: „Das Teil kostet normal immerhin 50 Euro.” Das „Teil” ist eine weiße, ärmellose Jacke, tatsächlich ganz ordentlich anzusehen. Trödelmarkt wieder einmal, ähnliche Gespräche gibt es auf vielen Märkten in Deutschland (und Europa), an jedem Stand, hier und dort, und früher oder später.

Ein Tisch voller Flohmarkt-Spezialitäten (Foto: Clipdealer)

Der tüchtige Händler hat ein Schild an seinem Stand angebracht. „Abraham” steht darauf – heisst er also wie einst der „Trödler Abraham” im Schlager von Wolfgang Hofer 1971? „Ist nur ein Scherz”, schmunzelt der Flohmarktmensch und verstaut das Schild wieder in seinem Auto, während er so ganz nebenbei eine Porzellanvase verscherbelt.

Es gibt nichts, was es hier auf dem Platz nicht gibt. Die Palette an Gegenständen aller Art ist vielfältig. Hier liegt ein Stahlhelm auf dem Tisch, dort gebrauchte Klamotten, Bücher, Nippes aller Art, ein Globus leuchtet in der strahlenden Sonne, ein altes Telefon mit Wählscheibe wird feilgeboten, eine vorsintflutliche Agfa-Box sucht einen neuen Besitzer, Gemälde stehen herum, Kopfkissen, Münzen, Tassen; alles was das Herz begehrt.

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Marsha heißt die freche Kuh

Mörfelden-Walldorf, die Doppelstadt südlich des Frankfurter Flughafens, hat sich in den vergangenen Jahren einen herausragenden Ruf als „Stadt der Skulpturen” erworben. Bisher sind in den beiden Ortsteilen über 30 verschiedene Werke namhafter (und auch weniger bekannter) Künstler aufgestellt worden – auch mehrere Verkehrskreisel wurden mit Skulpturen bestückt. Einige Kunstwerke in der Stadt sind Leihgaben von Künstlern, die bei der alljährlichen Veranstaltung „Skulpturen im Park” ausstellten. Andere wurden von der Gemeinde im Anschluss an diese alljährliche Freiluft-Ausstellung günstig erworben oder „geleast”.

Die Kuh Marsha, ein Kunstwerk der Bildhauerin Pia Grambart. (Foto: Erich Stör)

In den vergangenen Jahren haben international erfolgreiche Bildhauer ihre Werke hier präsentiert, darunter waren Hans Steinbrenner, E. R. Nele, Vera Röhm oder Ottmar Hörl (Nürnberg), der auch Schirmherr der Ausstellung ist. Andere Künstler kommen aus entfernten Orten wie Berlin, Hamburg, München oder sogar aus den USA. Eine der Künstlerinnen, die hier in der Vergangenheit ausstellten, war die 1960 in Ottawa geborene Pia Grambart, die ein Atelier in der Lorsbacher Strasse 1 im Frankfurter Gallusviertel eingerichtet hat. 2013 präsentierte Pia Grambart dem Publikum verschiedene Fabelwesen aus der Tierwelt, womit sie die Herzen all jener Menschen entzückte, die vier Wochen lang durch den Bürgerpark schlenderten oder bei der Eröffnungs- und Schlussveranstaltung dabei waren.

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Herr Goethe und Frau Willemer

Johann Wolfgang Goethe hielt sich 1815 mehrere Monate in Frankfurt-Sachsenhausen auf. Dabei entwickelte sich zwischen dem Dichterfürsten und der Bankiersgattin Marianne Willemer eine lange geheim gehaltete, tiefe Zuneigung. Frankfurter Mädchen und Buben erfuhren in den Schulen über den Dichter aus dem Großen Hirschgraben und Frau Willemer nicht viel, gewiss aber mehr als etwa gleichaltrige Münchener. Denn Johann Wolfgang war in der Stadt überall präsent. Dabei hatte Goethe nur die ersten 26 Jahre seines Lebens in Frankfurt am Main verbracht. Von Kurzbesuchen abgesehen war sein Lebensmittelpunkt Weimar.

Das Sommerhaus auf dem Sachsenhäuser Mühlberg. (Foto: Erich Stör)

Wer außerdem aus dem südlichen Stadtteil Sachsenhausen kam, wurde (und wird) allerdings noch häufiger als andere mit Goethe konfrontiert, denn am gleichnamigen Berg gibt es den hölzernen Goetheturm, der allerdings erst 1931 errichtet wurde, den kleinen Hügel Goetheruh’ – ob der Dichter hier wirklich verweilte, ist nicht belegt – , und natürlich am Mühlberg das Willemer-Häuschen, in dem sich der Herr Geheimrat auch mit der Bankiersfamilie Willemer getroffen hat. Die Zeit in diesem klassizistischen Gartenhaus behielt Goethe immer in guter Erinnerung, sprach sogar von den „schönsten Stunden seines Lebens”.

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Vom „Giftgebräu“ zum reinen Bier

Wer heutzutage durch die Getränkeabteilung eines Supermarkts schlendert, wird förmlich erschlagen von der Vielzahl der dort feilgebotenen Biere. Doch in Wahrheit umfasst das Angebot nur einen Bruchteil der vorhandenen Sorten, denn insgesamt wird die Zahl allein der deutschen Biere auf rund 5000 veranschlagt.

Ein helles Blondes, bitte! (Foto: Swift Publisher/Stör)

Weil in Deutschland gebrautes Bier nur drei Zutaten plus Hefe enthalten darf, nämlich Wasser, Malz (Gerste/Weizen) sowie Hopfen, ist diese Vielfalt sehr beachtenswert. Sie kommt vor allem zustande, weil neben der fachlichen Kompetenz des Braumeisters die Qualität des Wassers und die verwendeten Hopfensorten eine entscheidende Rolle spielen. Heutzutage reift aus den vier vorgegebenen Ingredienzen Bier von hoher Qualität. Das war freilich nicht immer so.

Vor über 500 Jahren, am 23. April 1516, sahen sich die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt jedenfalls veranlasst, dem Wildwuchs beim Brauen mit einem so genannten „Reinheitsgebot“ Einhalt zu gebieten. Weil allenthalben kräftig gepantscht wurde, schwebte so mancher passionierte Biertrinker in Lebensgefahr, ohne es auch nur zu ahnen.

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Mit der Lokalbahn unterwegs

Im dichten Frankfurter S-Bahn-Netz gibt es an der Mühlbruchstrasse die Station „Lokalbahnhof”. Sie erinnert an den alten Haltepunkt, der bis 1955 die Städte Frankfurt und Offenbach verband. Vom alten Bahnhof selbst ist dort nichts mehr zu sehen; heute steht hier ein Geschäftsgebäude, Gleise der Straßenbahn befinden sich an jener Stelle, an der das Abfertigungsgebäude stand. An der nahen Kreuzung treffen Darmstädter Landstrasse, Textor- und Dreieichstrasse aufeinander. Eine Gaststäte trägt ebenfalls den Namen Lokalbahnhof. Auf der anderen Straßenseite ist immer noch das altehrwürdige Harmonie-Kino in Betrieb. Verschüttete Erinnerungen an Sachsenhausen werden wach, als ich dieser Tage hier vorbeigehe…

Gaststätte, S-Bahnhof und das Harmonie-Kino. (Fotos: Erich Stör)

Ende Februar 1944 bin ich zum ersten Mal mit der Bahn gefahren, wenige Groschen hat es gekostet, ich musste für meine Eltern einen wichtigen Brief auf einem Amt in Offenbach abgeben. Es war meine erste Bahnreise in die nahe, fremde Stadt. Der dortige Endpunkt befand sich am Dreieck der Dom-, Bahnhof-, Kaiserstraße, heute verläuft dort die Berliner Straße.

Unterwegs hat die Lokalbahn inmitten der prächtigen, weitläufigen Gärtnereien von Oberrad angehalten. Das merke ich mir, denn einige Tage später, es ist Anfang März, fahre ich – diesmal nur zum Vergnügen – wieder mit der Lokalbahn und steige an der Haltestelle Oberrad aus. Von dort aus ist es zu Fuß nicht weit an das Mainufer. Dort haben einige Frankfurter Rudervereine ihr Domizil, es sind freilich kaum Boote auf dem Wasser, die meisten Sportler sind als Soldaten im Kriegseinsatz.

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Tragödie am Matterhorn

Vor über 150 Jahren wurde der legendäre Bergriese Matterhorn nahe der schweizerischen Gemeinde Zermatt erstmals von einer Seilschaft bezwungen. Was damals, am 14. Juli 1865, zunächst wie ein großer Triumph der beteiligten Bergsteiger aussah, endete beim Abstieg mit einer Tragödie: Vier der sieben Bergsteiger verloren ihr Leben, als sie nach einem Seilriss abstürzten. Das erbitterte Wettrennen um die Erstbesteigung des Matterhorns hatte seine ersten Opfer gefordert, denen freilich noch unzählige folgen sollten. In den Jahren seit der Erstbesteigung wurden über 500 tödliche Unfälle gezählt…

Wälder, Wiesen und dahinter: Der Berg! (Foto: Clipdealer)

Das Matterhorn steht in den Walliser Alpen zwischen Zermatt und Breuil-Cervinia. Die Ost-, Nord- und Westwand liegen auf schweizerischem Gebiet, die Südwand in Italien. Weil eine italienische Gruppe um den Bergführer Jean-Antoine Carrel über die italienische Seite aufzusteigen versuchte, wurde der Engländer Edward Whymper, der schon lange vom „Sieg” am Matterhorn träumte, zur überhasteten Eile angetrieben. Überhastet bildete er inm schweizerischen Zermatt eine illustre Siebener-Seilschaft mit ihm selbst, dem Bergführer Michel Croz aus Chamonix, den Briten Charles Hudson, Lord Francis Douglas und Robert Hadow sowie den einheimischen Bergführern Peter Taugwalder (Vater) und Peter Taugwalder (Sohn).

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