Filmproduzent Koppel im Visier

Trotz ihrer permanent und stolz zur Schau getragenen demokratischen Grundordnung ist die bundesdeutsche Geschichte reich an politischen Repressionen gegen Andersdenkende – wie Berufsverbote in den Siebziger Jahren oder auch verweigerte Bundesbürgschaften belegen. Schon in der Adenauer-Ära gab es diese Repressionen. 1951 geriet zum Beispiel der Hamburger Filmproduzent Walter Koppel ins Visier des Bonner Innenministeriums und wurde dabei an den Rand des Ruins getrieben. Ein skandalöser Vorgang, der ein bezeichnendes Licht auf die politischen Repressionen jener Zeit wirft.

Walter Koppels Antrag auf Bundesbürgschaft wurde abgelehnt. (Foto: Clipdealer/Verlag Unucka)

Hintergrund: Zwischen 1951 und 1955 konnten deutsche Filmemacher Ausfallbürgschaften des Bundes beantragen, um gegen eventuell auftretende finanzielle Verluste gewappnet zu sein. Diese Bürgschaften sollen dazu dienen, die filmkulturelle Entwicklung in Deutschland anzuschieben, sie sind jedoch – wie am Fall von Walter Koppel zu sehen ist – von der Adenauer-Regierung gegen missliebige Personen missbraucht worden.

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Film über Schuld und Sühne

Die Mörder sind unter uns – dieser erste deutsche Spielfilm nach dem Zweiten Weltkrieg stammt von Wolfgang Staudte, wurde von der DEFA gedreht und am 15. Oktober 1946 im sowjetisch besetzten Sektor von Berlin im Admiralspalast uraufgeführt. Das Drama um Schuld und Sühne war und ist auch heute noch – 70 Jahre später – politisch aktuell und begründete den Weltruhm von Hildegard Knef, die in ihrem fünften Film erstmals als Hauptdarstellerin eingesetzt wurde.

Hildegard Knef und Wolfgang Borchert. (Foto: Filmverlag Christian Unucka)

Lange hat sich die Legende gehalten, dieser Film sei im Westen Deutschlands in den Nachkriegsjahren nicht gezeigt worden. Korrekt ist jedoch, dass der Streifen in der französischen Zone bereits im April 1947 in Baden-Baden und danach im Mai auch in Ludwigshafen gezeigt wurde, sogar zwei Monate vor den Starts in der britischen und amerikanischen Zone (darunter auch in Frankfurt).

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Dämmerstunden einer Filmdiva

Billy Wilder war einer der vielseitigsten Regisseure in der amerikanischen Traumfabrik Hollywood. Einer seiner großen Filme war Sunset Boulevard (deutscher Titel: Boulevard der Dämmerung aus dem Jahr 1950, der gelegentlich im Fernsehen zu sehen ist. Der Titel kann sinngemäß auch als „Prachtstraße des Sonnenuntergangs” interpretiert werden.

Dämmerung für eine alternde Filmdiva am Hollywood-Boulevard. (Symbolfoto: Clipdealer)

Der Schwarz-Weiß-Film entlarvt in schonungslosen Bildern das glamouröse Image der mächtigen Hollywood-Konzerne, ist aber letztes Endes doch auch wieder selbst nur ein Produkt dieser im Film bloßgestellten „Traumfabrik”. Die Tragödie um einen alternden Stummfilmstar spielte insofern eine besondere Rolle im Schaffen Wilders, weil erstmals ein zutiefst kritischer Blick auf die Gnadenlosigkeit der Traumfabrik geworfen wurde, ohne jedoch Konsequenzen auszulösen.

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Wallace lässt Kassen klingeln…

Der Londoner „Big Ben“ war meistens dabei, als Anfang der 60er Jahre eine Welle von meist sehr kuriosen Filmen nach Vorlagen des britischen Krimi-Schreibers Edgar Wallace in die bundesdeutschen Lichtspielhäuser schwappten. Und die Kino-Kassen klingelten kräftig. Es würde zu weit führen, hier alle Streifen aufzulisten, die in den 60er Jahren gedreht wurden. Neben den Klassikern „Der Zinker” oder „Der Hexer” klingen manche Buch- und späteren Filmtitel allerdings sehr anregend: „Der Frosch mit der Maske”, „Die Bande des Schreckens”, „Die toten Augen von London”, „Das Geheimnis der gelben Narzissen”, „Das Rätsel der roten Orchidee” oder „Die Tür mit den sieben Schlössern”. Das hat was!

Der „Big Ben“ ist wie für einen Wallace-Film gemacht. (Foto: Oliver Stör)

Es gibt – trotz Arthur Conan Doyle, Agatha Christie und vielen anderen – wohl kaum einen ernsthaften Zweifel daran, dass Edgar Horatio Wallace als der berühmteste britische Kriminalschriftsteller in die Geschichte eingehen wird. Wallace lieferte mit seinen Vorlagen auch den Stoff für eine in Deutschland hergestellten Serie von Fließband-Krimis.

Es ist überliefert, dass der am 1. April 1875 geborene und im Februar 1932 verstorbene Vielschreiber Wallace keine literarischen Ambitionen verfolgte, sondern seine Arbeit nur als lukratives Mittel zum täglichen Broterwerb ansah. Denn Geld brauchte Wallace ständig; als notorischer Spieler befand er sich meist in finanziellen Nöten, zumal er oft genug gerade erworbene Pfunde in vollen Zügen ausgab. Gezwungenermaßen musste der britische Autor beträchtliche quantitative Leistungen beim Schreiben erbringen, was der Qualität seiner Bücher eine gewisse Beliebigkeit gab.

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Rita Hayworth im Filmpalast

In Zeiten der übergroßen Multiplex-Kinos mit ihren unterschiedlich großen Sälen, werden oftmals Erinnerungen wach an die palastartigen Lichtspielhäuser, die Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre das Bild in den Großstädten prägten. Eines dieser Häuser war der Filmpalast in Frankfurt am Main. Bedingt durch die Entbehrungen und Leiden des Zweiten Weltkrieges gab es in den drei Westzonen und in der späteren Bundesrepublik Deutschland einen Kinoboom ohnegleichen, denn die Menschen suchten Ablenkung und Unterhaltung. Die Häuser schossen wie Pilze aus dem Boden.

Viele Rita Hayworth-Filme hatten im Filmpalast Premiere. (Montage: Clipdealer/Signale)

Alteingesessene Kinobetreiber und Neueinsteiger balgten sich um den (vermeintlich) großen Kuchen. In dieser „Goldgräber”-Atmosphäre entstand in Frankfurt am Main mit dem Filmpalast in der Großen Friedberger Straße 26-28, nur wenige Meter von der traditionsreichen Konstablerwache entfernt, das bis dahin größte Kino der Stadt: – mit sage und schreibe 1500 Plätzen.

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Massive Proteste gegen Harlan

Vor über 65 Jahren, im Frühjahr 1951, hagelte es in Frankfurt Proteste gegen den Filmregisseur Veit Harlan, der 1940 den antisemitischen Hetzfilm „Jud Süß” gedreht hatte und dessen Nachkriegsmelodram („Unsterbliche Geliebte”) im Metro im Schwan gezeigt werden sollte. Schlagzeilen der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ spiegeln das wider.

Schlagzeilen der Frankfurter Rundschau zum Harlan-Film. (Grafik: Signale)

Harlan – „eine der Galionsfiguren des Nazifilms“, wie der Filmhistoriker Rudolf Worschech in einem Beitrag über das Nachkriegskino in der Mainmetropole vermerkt – war nach 1945 zunächst nur mit einem Berufsverbot belegt worden. Die „Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes“ (VVN) und auch die „Notgemeinschaft der durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen“ hatten den Regisseur wegen „Verbrechens gegen die Menschlichkeit“ angezeigt, doch im April 1949 sprach ihn das Hamburger Landgericht mangels Beweises frei.

Das Urteil wurde ein Jahr später in einer Revisionsverhandlung bestätigt; immerhin erklärte das Gericht, der Film erfülle sowohl objektiv als auch subjektiv den Tatbestand eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Für Harlan war gleichwohl der Weg frei, um in sein altes Metier zurückzukehren.

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Gespräch mit Albert Matterstock

Eine Erinnerung an den 1960 in Hamburg verstorbenen Filmschauspieler Albert Matterstock. Der Star der 30er und 40er Jahre wurde nur 49 Jahre alt und hatte nach dem Zweiten Weltkrieg im Filmgeschäft nicht mehr Fuß fassen können. Beim Suchen nach historischen Filmprogrammen war ich bei „ebay“ auf den Titel „Drei Birken auf der Heide” gestoßen. Für 3,99 Euro wurde das dünne Heftchen aus der Reihe „Das Neue Filmprogramm” feilgeboten, der Titel weckte Gedanken an eine persönliche Begegnung mit dem Schauspieler in Frankfurt am Main.

Der Filmschauspieler Albert Matterstock. (Foto: Filmverlag Christian Unucka)

Als im November 1956 diese fade Heimatschnulze in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Sachsenhausen gezeigt wurde, war als Gast eben jener  Matterstock anwesend, immerhin ein Top-Star des deutschen Films der Dreissiger und Vierziger Jahre, der im Nachkriegsdeutschland allerdings kaum noch auf den Besetzungslisten aufgetaucht war. Dagegen hatte der Schauspieler vor und auch während des Krieges in Berlin bei verschiedenen Gesellschaften Filme wie am Fließband abgeliefert, alleine in den Jahren 1937 bis 1939 zwölf Streifen. Die meisten wurden vom Publikum goutiert, obwohl es meistens nur Massenware gewesen war.

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Kulturgut „Illustrierte Filmbühne“

Die „Illustrierte Filmbühne“ aus München war nach dem Zweiten Weltkrieg die bekannteste Programmreihe zur Begleitung von Filmen im Deutschland der Nachkriegszeit. Zweifellos ist die „IFB“ damit auch ein Stück deutscher Kulturgeschichte.  Programmhefte der „Illustrierten Filmbühne“ begleiteten viele Menschen über Jahrzehnte hinweg bei ihren Kinobesuchen, was einen ganz persönlichen Rückblick rechtfertigt.

Die erste, die letzte und die erfolgreichste Ausgabe der „Filmbühne“. (Fotos: Filmverlag Unucka)

Der Preis für die kleinen Hefte betrug im Frühjahr 1947 „nur” 10 Pfennige, was jedoch nicht wenig war, denn ein Billett für die „Rasierstühle” in den ersten drei Reihen der Kinos war immerhin schon für 80 Pfennige zu haben. Zu vielen Filmen erwarb ich diese kleinen Illustrierten, die zu ständigen Begleitern meiner Jugend wurden. Manche dieser Hefte hob ich auf, andere warf ich weg oder sie gingen anderweitig verloren. Diese Nachlässigkeit war ein Versäumnis, das ich noch bereuen sollte, vor allem, als die „Illustrierte Filmbühne” (und andere Serien) zu begehrten Sammelobjekten wurden. Weiterlesen

Hauptstadt der Filmverleiher

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Frankfurt/Main aufgrund der Teilung Deutschlands und der gespannten politischen Lage zur „Hauptstadt der Filmverleiher“.  Natürlich ist (und war) Frankfurt keine Filmmetropole im üblichen Sinne, auch wenn die imposant wirkende Hochhaus-Skyline in den modernen TV-Produktionen immer wieder als Kulisse für „Mainhattan” dient. Allerdings sind große Produktionsfirmen bis heute ebensowenig vorhanden wie Ateliers. Aber es waren die so genannten „Major Companies“ der USA, die sich hier nach dem Ende des Krieges niederließen.

In Frankfurt am Main stapelten sich bei den Verleihern Filmrollen aller Coleur… (Symbolfoto: Swift Publisher)

In den 30er Jahren waren die ausländischen Verleihfirmen in Berlin beheimatet gewesen, ehe ihnen von den Nazis 1941 die Tätigkeit untersagt wurde. Noch ehe der Krieg am 8. Mai 1945 zu Ende war, hatten die Amerikaner in den von ihnen besetzten Gebieten mit dem Aufbau „demokratischer Strukturen” begonnen; Priorität hatten neue Zeitungen und Filme, die nach Meinung der Alliierten geeignet erschienen, zur erfolgreichen „Umerziehung” der deutschen Bevölkerung beizutragen.

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Ingrid Bergman am Stromboli

Ein Fischerboot fährt mit der Besatzung zur Arbeit, im Hintergrund ist der Vulkan Stromboli zu sehen; einsam verharrt er dort, so als hätte er nicht einst einem Drama mit Ingrid Bergman den Titel gegeben. Stromboli war ein Film, der – wie die Werbung schrieb – der Schwedin „zum Schicksal wurde“. War das wirklich so?

Der Vulkan Stromboli im Dämmerlicht. (Foto: Clipdealer)

Ganz gewiss nicht.  Dazu war ihr künstlerisches Schaffen zu umfangreich und vielfältig.  Anlässlich des 100. Geburtstages der schwedischen Schauspielerin Ingrid Bergman am 29. August  2015 gab es deshalb zahlreiche Würdigungen von Kritikern und Filmhistorikern. Auch für den Autor ein guter Grund, aus Sicht des Zuschauers einen Blick auf ihr filmisches Lebenswerk zu werfen, ihr zu applaudieren und ihr ein Dankeschön nachzurufen. Weiterlesen

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