Filmpalast in Frankfurt war einfach eine Nummer zu groß

In Zeiten der großen Multiplex-Kinos mit ihren unterschiedlich großen Sälen, werden oft Erinnerungen wach an die palastartigen Lichtspielhäuser, die Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre das Bild in den Großstädten prägten. Eines dieser Häuser war der Filmpalast in Frankfurt am Main. Bedingt durch die Entbehrungen und Leiden des Zweiten Weltkrieges gab es in den drei Westzonen und in der späteren Bundesrepublik Deutschland einen Kinoboom ohnegleichen, denn die Menschen suchten Ablenkung und Unterhaltung. Die Häuser schossen damals wie Pilze aus dem Boden.

Größtes Lichtspielhaus der Nachkriegszeit. (Foto: Clipdealer/Stör)

Alteingesessene Kinobetreiber und Neueinsteiger balgten sich um den (vermeintlich) großen Kuchen. In dieser „Goldgräber”-Atmosphäre entstand in Frankfurt am Main mit dem Filmpalast in der Großen Friedberger Straße 26-28, nur wenige Meter von der traditionsreichen Konstablerwache entfernt, das bis dahin größte Kino der Stadt: – mit sage und schreibe 1500 Plätzen.

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Frankfurter Proteste gegen den Filmregisseur Veit Harlan

Vor über 65 Jahren, im Frühjahr 1951, hagelte es in Frankfurt Proteste gegen den Filmregisseur Veit Harlan, der 1940 den antisemitischen Hetzfilm „Jud Süß” gedreht hatte und dessen Nachkriegsmelodram („Unsterbliche Geliebte”) im Metro im Schwan gezeigt werden sollte. Schlagzeilen der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ spiegeln das wider.

Schlagzeilen der Frankfurter Rundschau zum Harlan-Film. (Grafik: Signale)

Harlan – „eine der Galionsfiguren des Nazifilms“, wie der Filmhistoriker Rudolf Worschech in einem Beitrag über das Nachkriegskino in der Mainmetropole vermerkt – war nach 1945 zunächst nur mit einem Berufsverbot belegt worden. Die „Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes“ (VVN) und auch die „Notgemeinschaft der durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen“ hatten den Regisseur wegen „Verbrechens gegen die Menschlichkeit“ angezeigt, doch im April 1949 sprach ihn das Hamburger Landgericht mangels Beweises frei.

Das Urteil wurde ein Jahr später in einer Revisionsverhandlung bestätigt; immerhin erklärte das Gericht, der Film erfülle sowohl objektiv als auch subjektiv den Tatbestand eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Für Harlan war gleichwohl der Weg frei, um in sein altes Metier zurückzukehren.

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Schauspieler Albert Matterstock gerät ins filmische Abseits

Eine Erinnerung an den 1960 in Hamburg verstorbenen Filmschauspieler Albert Matterstock. Der Star der 30er und 40er Jahre wurde nur 49 Jahre alt und hatte nach dem Zweiten Weltkrieg im Filmgeschäft nicht mehr Fuß fassen können. Beim Suchen nach alten Filmprogrammen war ich dieser Tage bei „ebay“ auf den Titel „Drei Birken auf der Heide” gestoßen. Für 3,99 Euro wurde das Heftchen aus der Reihe „Das Neue Filmprogramm” feilgeboten, der Titel weckte Gedanken an eine persönliche Begegnung mit dem Schauspieler in Frankfurt am Main. 

Matterstock auf dem Filmkurier-Titelblatt „Ziel in den Wolken“. (Foto: Verlag Unucka)

Als im November 1956 diese fade Heimatschnulze in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Sachsenhausen gezeigt wurde, war als Gast eben jener  Matterstock anwesend, immerhin ein Top-Star des deutschen Films der Dreissiger und Vierziger Jahre, der im Nachkriegsdeutschland allerdings kaum noch auf den Besetzungslisten aufgetaucht war. Dagegen hatte der Schauspieler vor und auch während des Krieges in Berlin bei verschiedenen Gesellschaften Filme wie am Fließband abgeliefert, alleine in den Jahren 1937 bis 1939 zwölf Streifen. Die meisten wurden vom Publikum goutiert, obwohl es meistens nur Massenware gewesen war.

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„Illustrierte Filmbühne“ zählt zum deutschen Kulturgut

Die „Illustrierte Filmbühne“ aus München war die bekannteste Programmreihe zur Begleitung von Filmen im Deutschland der Nachkriegszeit. Zweifellos ist die „IFB“ auch ein Stück deutscher Kulturgeschichte.  Programmhefte der „Illustrierten Filmbühne“ begleiteten viele Menschen über Jahrzehnte hinweg bei ihren Kinobesuchen, was einen ganz persönlichen Rückblick rechtfertigt. 

Die erste, die letzte und die erfolgreichste Ausgabe der „Filmbühne“ (Foto: Verlag Unucka)

Der Preis für die kleinen Hefte betrug im Frühjahr 1947 „nur” 10 Pfennige, was jedoch nicht wenig war, denn ein Billett für die „Rasierstühle” in den ersten drei Reihen der Kinos war immerhin schon für 80 Pfennige zu haben. Zu vielen Filmen erwarb ich diese kleinen Illustrierten, die zu ständigen Begleitern meiner Jugend wurden. Manche dieser Hefte hob ich auf, andere warf ich weg oder sie gingen anderweitig verloren. Diese Nachlässigkeit war ein Versäumnis, das ich noch bereuen sollte, vor allem, als die „Illustrierte Filmbühne” (und andere Serien) zu begehrten Sammelobjekten wurden.

Die vier-, sechs- oder später sogar achtseitigen Programmhefte boten viele Informationen, vor allem die Fotos gaben einen recht guten Eindruck von den Filmen, obwohl die Druckqualität häufig zu wünschen übrig ließ. Die Grafiker des Verlages in München, wo der Verleger Paul Franke die Tradition des alten Berliner „Illustrierten Filmkuriers” nach dem Ende des Krieges fortsetzte, bemühten sich redlich, um mit dem von den Verleihern zur Verfügung gestellten Fotos, Inhaltsangaben und Besetzungslisten attraktive Hefte zu gestalten; gedruckt wurde überwiegend in Braun, aber auch Blau, Grün und Rot kamen zum Zug. Das lag oft einfach daran, welche Farben in der Nachkriegszeit in den beauftragten Tiefdruckereien gerade vorrätig waren.

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Wie Frankfurt zur Hauptstadt der Filmverleiher wurde

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Frankfurt am Main aufgrund der Teilung Deutschlands und der gespannten politischen Lage zur „Hauptstadt der Filmverleiher“.  Natürlich ist (und war) Frankfurt keine Filmmetropole im üblichen Sinne, auch wenn die imposant wirkende Hochhaus-Skyline in den modernen TV-Produktionen immer wieder als Kulisse für „Mainhattan” dient. Allerdings sind große Produktionsfirmen bis heute ebensowenig vorhanden wie Ateliers. Aber es waren die sogenannten „Major Companies“ der USA, die sich hier nach dem Ende des Krieges niederließen.

In Frankfurt am Main stapelten sich Filmrollen aller Coleur… (Foto: Swift Publisher)

In den 30er Jahren waren die ausländischen Verleihfirmen in Berlin beheimatet gewesen, ehe ihnen von den Nazis 1941 die Tätigkeit untersagt wurde. Noch ehe der Krieg am 8. Mai 1945 zu Ende war, hatten die Amerikaner in den von ihnen besetzten Gebieten mit dem Aufbau „demokratischer Strukturen” begonnen; Priorität hatten neue Zeitungen und Filme, die nach Meinung der Alliierten geeignet erschienen, zur erfolgreichen „Umerziehung” der deutschen Bevölkerung beizutragen.

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Hommage an die schwedische Schauspielerin Ingrid Bergman

Ein Fischerboot fährt mit der Besatzung zur Arbeit, im Hintergrund ist der Vulkan Stromboli zu sehen; einsam verharrt er dort, so als hätte er nicht einst einem Drama mit Ingrid Bergman den Titel gegeben. Stromboli war ein Film, der – wie die Werbung schrieb – der Schwedin „zum Schicksal wurde“. War das wirklich so? Ganz gewiss nicht.  Dazu war ihr künstlerisches Schaffen zu umfangreich und vielfältig.  Anlässlich des 100. Geburtstages der schwedischen Filmschauspielerin Ingrid Bergman am 29. August  2015 gab es deshalb ja zahlreiche Würdigungen von Kritikern und Filmhistorikern. Auch für den Autor ein guter Grund, aus Sicht des Zuschauers einen Blick auf ihr filmisches Lebenswerk zu werfen, ihr zu applaudieren und ihr ein Dankeschön nachzurufen. 

Der Vulkan Stromboli im Hintergrund. (Foto: Clipdealer)

Von Ingrid Bergmann hatte ich bei Kriegsende noch nie etwas gehört. Wie auch? Erstens war ich noch zu jung, und zweitens standen amerikanische Filme nach 1941 in Nazi-Deutschland auf dem Index. Dann sah ich in Frankfurt den ersten Film mit Ingrid Bergman in der Hauptrolle. In der Scala lief 1947 „Das Haus der Lady Alquist” und ich nutzte die lasche Handhabung des damaligen „Jugendschutzes”, um ins Kino zu schlüpfen.

Ingrid Bergman spielte die gerade frisch und glücklich verheiratete Paula Anton, deren Ehemann (Charles Boyer) sie in den Wahnsinn zu treiben beginnt – sie setzte sich als angstvolle Frau so eindrucksvoll in Szene, dass sie – wie ich später erst erfuhr – mit einem Oscar belohnt worden war. Ihr Auftritt machte Lust auf mehr und so sah ich sie ein Jahr später im Harmonie in „Die Glocken von St. Marien” an der Seite von Bing Crosby. Es war ein religiös-melodramatisches Rührstück, das mir nicht besonders zusagte, in dem mir gleichwohl die Schwedin als kämpferische Nonne Mary Benedict gefiel.

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Alfred Hitchcock präsentiert Duschmord in 54 Einzelteilen

Der Thriller Psycho ist eines der filmischen Meisterwerke von Alfred Hitchcock. Es verbindet in geradezu perfekter Weise Atmosphäre, Montage und Musik zu einem Horror-Szenario ohnegleichen. Zentraler Punkt des Geschehens ist ein Mord unter der Dusche – eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte. Die 2,15 Minuten lange Sequenz besteht aus 54 verschiedenen Einstellungen und Schnitten, die sorgfältig erarbeitet worden sind. Die Dreharbeiten dafür dauerten allein rund eine Woche.

Alfred Hitchcock drehte eine Woche in der Dusche. (Foto: Swift Publisher)

Als ich jetzt den Film zum wiederholten Mal erlebte, erinnerte ich mich daran, wie der Thriller bei seiner Erstaufführung beworben worden ist. In den Zeitungsinseraten der Kinobesitzer wurde eindringlich darauf aufmerksam gemacht, dass nach Beginn einer Vorstellung kein Besucher mehr in den Saal gelassen würde; außerdem wurde darum gebeten, den Schluss nicht an Freunde und Bekannte zu verraten. Mit diesen Maßnahmen sollte das ohnehin große Interesse an Psycho noch weiter angeheizt werden.

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