Die Liebes- und Ehegeschichte der Hollywood-Filmstars Humphrey Bogart und Lauren Bacall wurde viel beschrieben. Auch wir können uns der Faszination der beiden Persönlichkeiten nicht entziehen. Gelegenheit für einen verspäteten Nachruf auf Lauren Bacall ergab sich für mich vor kurzem, als im im Fernsehsender „arte” die amerikanische Ehekomödie „Warum habe ich ja gesagt?” gezeigt wurde. Das rief wieder Erinnerungen wach an die im August 2014  im Alter von 89 Jahren verstorbene Schauspielerin, die vielen als letzte Frau von Humphrey Bogart in Erinnerung geblieben sein mag. 

Lauren Bacall und Humphrey Bogart auf dem Filmbühne-Titelblatt „Die schwarze Natter“ (Foto: Filmverlag Unucka)

Lauren Bacall war ein Star aus dem vordergründig „goldenen” Hollywood-Zeitalter, das aber in Wahrheit geprägt war von Knebelverträgen, Ausbeutung und brutalter Rücksichtslosigkeit. Auch die junge Schauspielerin aus New York hatte oft darunter zu leiden. 

Nach ihren ersten Erfolgen bekam sie bald die harte Hand von Filmmogul Jack L. Warner zu spüren, der sie als Vehikel in zweitklassigen Filmen einsetzen wollte. Obwohl noch unerfahren in ihrem Beruf, setzte sie sich jedoch zur Wehr, weil ihr die meisten Drehbücher nicht gut genug erschienen. Später erzählte sie über Jack Warners schlichte Philosophie, die da lautete: „Ich bezahle sie, also wird sie verdammt noch mal machen, was ich von ihr will.” So einfach dachten die Produzenten damals in Hollywood.

Anfang der Fünfziger Jahre war sie zusammen mit ihrem Mann Humphrey Bogart gegen die Verfolgung von Künstlern durch das McCarthy-Komitee „gegen unamerikanische Umtriebe” aufgetreten, und bis zu ihrem Lebensende bezeichnete sie sich stets als „liberale Demokratin”, was in der Öffentlichkeit der USA nicht gerade als Empfehlung gilt. Das mag ihrer Herkunft aus der Bronx, einem multikulturellen New Yorker Stadtteil, geschuldet sein. Lauren Bacall war jüdischer Abstammung und als Betty Joan Perske 1924 auf die Welt gekommen. Ihre Mutter nahm nach ihrer Scheidung für sich und ihre Tochter den Namen Bacal an.

Als die Warner-Studios nach einem attraktiven Namen für sie suchten, bestand sie darauf, ihren Nachnamen beizubehalten, akzeptierte aber die Zufügung eines weiteren Buchstabens L am Ende und entschied sich im Einverständnis mit der Publicity-Abteilung für „Lauren” als neuem Vornamen. Im Privatleben wurde sie, die in New York als Kino-Platzanweiserin und Fotomodell gejobbt hatte, von Freunden und Kollegen allerdings immer nur Betty genannt.

Filme mit Humphrey Bogart

Dass Lauren Bacall vielen Filmfreunden nur als Ehefrau von Bogart in Erinnerung geblieben ist, mag auch daran liegen, dass die vier frühen Filme mit ihm zweifellos zu ihren besten zählen. Mit Bogart hatte sie 1944 – sie war noch nicht einmal 20 Jahre alt –, „Haben und Nichthaben” nach Motiven eines Romans von Ernest Hemigway gedreht. Bei diesem ersten gemeinsamen Arbeit bezieht der Film aus der Zusammenarbeit mit ihrem Partner viele starke Momente.

Wenn sie sich eine Zigarette anzündet, ihren Kopf neigt und die Augen aufschlägt, ist sie unnachahmlich, ganz auf Bogart fixiert, und von Regisseur Howard Hawks dazu animiert, obgleich sie später immer wieder erzählt hat, dieser Effekt sei nur auf ihre Nervosität als Anfängerin zurückzuführen gewesen.

Bogart half ihr viel bei diesem ersten Film, und der 25 Jahre ältere Mann und die Novizin verliebten sich ineinander. Wie sehr Bogart von Bacall angetan war, zeigte sich auch daran, dass er zu Gunsten seiner Partnerin sich selbst in vielen Szenen zurücknahm, und ihr viele Ratschläge erteilte.

Nach seiner Scheidung von der Schauspielerin Mayo Methot heiraten Bogart und Bacall im Jahr 1945. Beide drehten noch drei weitere gemeinsame Filme: „Tote schlafen fest” (1946), „Die schwarze Natter” (1947) und „Hafen des Lasters” (1948).

Eine eigenartig intensive Wirkung

Von diesen vier gemeinsamen Schwarz-Weiß-Filmen geht eine eigenartige Wirkung aus. Beim Publikum entsteht der Eindruck, als ob die intensive Beziehung zwischen Bogart und Bacall direkt in den Kinosaal hineinwirkt und die Zuschauer vom intensiven Zusammenspiel der beiden stets auf Neue gefangen genommen werden. Ein Journalist hat einmal die interessante Frage gestellt, was wohl aus „Casablanca” mit Lauren Bacall an Stelle von Ingrid Bergman geworden wäre. Es ist freilich müßig, darüber nachzudenken…

Mit vielen Stars auf der Leinwand

Bacalls Filmkarriere ist insgesamt bescheiden, die Zahl ihrer Filme eher überschaubar, was auch daran liegen mag, dass sie sich zu Lebzeiten Bogarts mit der Rolle als Hausfrau und Mutter anfreundete, die nur gelegentlich als Darstellerin etwas zum gemeinsamen Lebensunterhalt beisteuerte.

Nach seinem Tod wurde sie nur noch sporadisch eingesetzt, was allerdings auch daran gelegen haben mag, dass sie längst nicht mehr die Faszination der frühen Filme ausstrahlte. Ohne Bogart – das muss ehrlicherweise angemerkt werden –, verlor sie vieles von ihrer Ausstrahlungskraft.

Lauren Bacall spielte gleichwohl mit Stars wie Gregory Peck, John Wayne, Marilyn Monroe, Doris Day, Rock Hudson, Charles Boyer, Gary Cooper, Kirk Douglas, Henry Fonda und Paul Newman als Co-Star oder in anderen, ganz unterschiedlichen Rollen. Alleine in dem Film „Mord im Orient-Express” von 1974 tummelten sich außer ihr noch so bekannte Darsteller wie Albert Finney, Ingrid Bergman, Michael Yorck, Anthony Perkins, Richard Widmark, Jaqueline Bisset und Sean Connery. Für ihren Spätfilm „Liebe hat zwei Gesichter” (1996) mit Babra Streisand erhielt sie nicht nur den Golden Globe Award, sondern auch eine Oscar-Nominierung.

Große Broadway-Erfolge

Wenig bekannt in Deutschland sind Lauren Bacalls Erfolge am Broadway. Zwischen 1965 und 1968 glänzte sie in 1000 Vorstellungen in dem Stück „Die Kaktusblüte”, das bald danach mit Ingrid Bergman, Walter Matthau und Goldie Hawn verfilmt wurde. Für ihre Leistungen in den Musicals „Applause” (800 Vorstellungen zwischen 1970 und 1972 in New York sowie anschließend ein Jahr lang in London) und „Woman of the Year“ wurde sie jeweils mit dem Tony Award ausgezeichnet. Das American Film Institute wählte sie 1999 in die Liste der 25 größten weiblichen Filmstars. Zehn Jahre später erhielt sie den Ehrenoscar für ihr Lebenswerk.

Es gibt zahlreiche Berichte und Bücher, die sich mit den Persönlichkeiten von Bogart und Bacall, ihrer Ehe und Bogarts Tod befassen. Als Bogart an einem Krebsleiden starb, war seine Frau gerade einmal 32 Jahre alt und mit zwei Kindern plötzlich allein erziehende Mutter…

Und obwohl Lauren Bacall 1961 ihren Schauspieler-Kollegen Jason Roberts geheiratet hatte – die Ehe wurde aber bereits 1969 wieder geschieden –, blieb sie stets an den charismatischen Humphrey Bogart gebunden. „Eigentlich”, sagte sie später einmal machdenklich, „bin ich nie über seinen Tod hinweg gekommen.” (mit Wikipedia-Infos)