Fossilienwelt der Grube Messel

Bei einer Autofahrt von Offenbach nach Dieburg kam ich kürzlich an der Grube Messel vorbei. Das weckte schlagartig Erinnerungen an die zahlreichen ökonomischen und politischen Querelen, die es in den Siebziger und Achtziger Jahren um die Nutzung dieser Grube – sie liegt leicht östlich versetzt zwischen Darmstadt und Frankfurt am Main – gegeben hatte. 

Auf der Suche nach der Welt von Gestern. (Symbolfoto: Clipdealer)

Das Gelände südlich von Messel war seit 1859 im Tagebau für den Gewinn von Eisenerz genutzt worden, bald entdeckten die damaligen Grubenbesitzer jedoch die viel lukrativeren Vorkommen an Ölschiefer. Dieser wurde jahrzehntelang abgetragen. Als sich abzeichnete, dass die Schätze zu Ende gingen, begann in Hessen eine heftige Diskussion darüber, wie das weitläufige Gebiet weiter genutzt werden könnte. Hauptsächliches Problem dabei war, dass einige engagierte Hobby-Archäologen in Laufe der Jahre in Messel höchst interessante Fossilien gefunden hatten, die für großes Aufsehen sorgten. Weiterlesen

Törggelen auf Bergbauernhof

Urlaub in der Nähe von Meran in Südtirol. Nichts Neues, gewiss nicht, wir waren schon häufig in der Gegend. Heute steht – wie könnte es anders sein – ein Wandertag auf dem Programm. Und natürlich darf der Gedanke an eine schmackhafte Brotzeit im Herbst nicht fehlen. Zuerst fahren wir mit dem Sessellift von Algund nach Vellau in 900 Meter Höhe. Dort gibt es sanfte Anstiege und Abstiege, sie laden zu ausgiebigen Spaziergängen, am Nachmittag steigen wir über den Saxner-Weg talwärts. Der Magen knurrt, am Wegesrand wirbt ein rustikaler Bergbauernhof mit dem einladenden Schild: „Heute Törggelen!”. Was bedeutet das?

Beim Törggelen kommen vor allem auch Maronen auf den Tisch. (Foto: Clipdealer)

„Törggelen” ist auf einen alten Brauch der Bauern und Weinhändler zurückzuführen, die den frischen „Süßen“ einst zwischen Oktober und Weihnachten verkosteten, wozu ursprünglich nur die Erntehelfer eingeladen wurden. Heutzutage gehört das Törggelen indessen längst zur einheimischen Esskultur. Für Urlauber im Goldenen Oktober wird in Weinschänken, Hotels, Gasthäusern oder Bauernhöfen „getörggelt”, ist also längt zum folkloristisches Beiwerk (und Umsatzbringer) des modernen Tourismus geworden.  Weiterlesen

Raketen in der „Zerreißprobe“

Wenn Kosmonauten oder Astronauten von der berühmten Gagarin-Rampe im Kosmodrom Baikonur in den Himmel über Kasachstan aufbrechen, um die Internationale Raumstation (ISS) zu besuchen, scheint das  für die breite Öffentlichkeit ein eher unbeachteter Routine-Vorgang zu sein, für die Raumfahrt-Verantwortlichen indessen ist ein solcher Start immer noch ein außergewöhnlich spannendes  Ereignis, wie sich auch am 11. Oktober 2018 zeigte, als Nick Hague (USA) und sein russischer Kollege Alexej Owtschinin nach einer Fehlfunktion der Rakete Sojus MS-10 notlanden mussten.

Erfolgreicher Start der Sojus-Rakete MS-09, mit der Alexander Gerst im Juni 2018 zur ISS flog. (Foto: ESA)

Wenn die Triebwerke einer Rakete zünden, ist das sowohl auf den Startplätzen in Baikonur (Kasachstan), Korou (Französisch Guyana), Jiuquan (China),  Plessezk, Wostotschny (beide Russland) oder dem Kennedy Space Center (USA) also niemals Alltagskram, sondern immer Ausdruck höchster Ingenieurskunst. Die Spannung vor und während des Starts ist für die direkt Beteiligten in jeder Sekunde greifbar und ist nicht alleine der Tatsache geschuldet, dass sich niemand bei den horrenden Kosten im Raumfahrtgeschäft Fehler erlauben darf.

Raumfahrt ist und bleibt trotz der wissenschaftlichen Grundkonzeption immer noch ein Abenteuer voller Unwägbarkeiten, wie sich auch bei Sojus MS-10 zeigte. Die Mission hatte insofern allerdings auch etwas Positives, weil das perfekt arbeitende Rettungssystem die Raumfahrer sicher zur Erde zurück brachte.  Sie landeten etwa 400 Kilometer nordöstlich vom Startplatz Baikonur und rund 25 Kilometer von der kasachischen Stadt Dscheskasgan entfernt. Weiterlesen

Sagenumwobenes Felsenmeer

Der Odenwald ist reich an Sagen und wundersamen Erzählungen. Einer der seltsamen Geschichten rankt sich um die Riesen „Steinbeißer” und „Felshocker”, die sich aus Langeweile im nördlichen Odenwald  mit Steinen bewarfen, bis die beiden sich unter riesigen Brocken wiederfanden, was gleichzeitig als Geburt des Felsenmeeres interpretiert wird.

Eine abschüssige Geröllhalde im Odenwälder Felsenmeer bei Lautertal. (Foto: Oliver Stör)

Es liegt nun schon einige Jahre zurück, dass ich als mehrmaliger Teilnehmer von touristischen Bildersuchfahrten des Motorsportclubs Überwald (Wald-Michelbach) den sagenumwobenen Odenwald intensiv kennenlernte. Sehenswürdigkeiten und Attraktionen gibt es ja genug in der hügeligen Naturlandschaft, die im Norden beim Weinort Groß-Umstadt beginnt und im Süden vom romantischen Neckartal begrenzt wird. Östlich bilden zunächst der Main auf knapp 35 Kilometer und danach die Gemeinden Miltenberg, Buchen und Mosbach eine eher diffuse Linie, im Westen ist die Bergstraße die natürliche Grenze zur oberrheinischen Tiefebene. Als grobe Eckpunkte des Gebietes können auch die Städte Darmstadt, Heidelberg, Aschaffenburg und Heilbronn dienen. Weiterlesen

Jagd nach einem Fensterheber

Wer ein älteres Automobil sein eigen nennt, kann ein Lied davon singen: Ist nämlich die Produktion eines Fahrzeuges erst einmal eingestellt, kann es mit den Ersatzteilen im Laufe der Jahre eng werden – besonders dann, wenn die aufgelegte Produktionszahl ohnehin nicht gerade in die Hunderttausende geht. 

Vergebliche Suche nach dem passenden Ersatzteil für ein betagtes Auto. (Foto: Clipdealer)

Mein Coupe Fiat war eines der letzten von insgesamt nur 72 762 Exemplaren, die in der Autoschmiede Pininfarina bei Turin zwischen 1992 und 2000 vom Band liefen. Letztes Produktionsjahr also vor immerhin 18 Jahren. Niedrige Stückzahlen eines Autos bedeuten aber auch verschwindend geringe Mengen an Ersatzteilen. Und alle, die nicht im Zweijahres-Rhythmus den fahrbaren Untersatz wechseln, sind irgendwann die Gelackmeierten.

Als im Oktober 2018 mein elektrischer Fensterheber auf der Fahrerseite (also links) seinen Geist aufgab, und die Scheibe sich nur noch mit roher Gewalt fixieren ließ, schien das zunächst kein wirkliches Problem zu sein. Eile war zwar geboten, der Herbst war schon eingezogen, und wer will schon bei Regengüssen mit offenen Fenster fahren – von der eindringenden Kälte ganz zu schweigen.  Weiterlesen

Kartoffeln in der Straßenbahn

Als ich im September 2018 die Meldung las, die Verkehrsgesellschaft der Stadt Frankfurt am Main (VGF) werde in allernächster Zukunft Pakete mit Straßenbahn-Zügen ausliefern, erinnerte ich mich daran, dass die Idee so neu nicht sein konnte. Schon als Schüler hatte ich eine wirklich sonderbare Tram in Frankfurt gesehen. Sie fuhr 1943 durch Sachsenhausen und war vollgeladen mit Kartoffeln, Gemüse und Obst. In der Wallstraße 6 im Äppelwoi-Viertel stoppte sie kurz vor dem Gemüseladen Weyh und ein Mann stellte eilig ein paar Kisten auf den Bürgersteig. 

Straßenbahnen sollen demnächst in speziellen Wagen auch Pakete transportieren. (Foto: Clipdealer)

Der Triebwagen hatte an Stelle der Liniennummer ein rundes Schild mit dem Buchstaben G (wohl für Güterwagen) an der Stirnseite, darunter die Bezeichnung SONDERWAGEN, und noch kleiner prangte etwas tiefer die Aufschrift G 16, was ein Hinweis auf die normale Liniennummer 16 gewesen sein dürfte. Und mir fiel auch wieder ein, vom Gehweg der Deutschherrn-Eisenbahnbrücke  im Frankfurter Osten beim Blick auf die nahe Großmarkthalle Männer und Frauen beobachtet zu haben, die einen dunklen, etwas rustikal aussehenden Straßenbahnzug mit Säcken beluden, wahrscheinlich gefüllt mit Kartoffeln oder Zwiebeln. Weiterlesen

Väter der „Eisenmenschen“

Auf dem „Big Island” von Hawaii geht alljährlich im Oktober ein internationaler Wettkampf über die Bühne, der aus 3,8 Kilometer Schwimmen in der Kailua-Bucht, 180 Kilometer Radfahren durch die Lavafelder auf dem Queen K Highway (Wendepunkt in Hawi) und dem abschließenden Marathonlauf über die Distanz von 42,195 Kilometern besteht. Esi handelt sich um den legendären „Ironman”, eine höchst brutale Selbstquälerei all jener Menschen, die als „Eisenmänner” oder „Eisenfrauen” nach Ruhm und Anerkennung suchen. Im Jahr 2018

Ansichtskarten-Idylle Hawaii (Foto: Swift Publisher)

Geboren aus der Bier- und Schnapslaune einiger alkoholseliger US-Offiziere entstand einst dieser Triathlon-Wettkampf. So sagt es jedenfalls die Legende. Ob das wirklich den Tatsachen entspricht? Wer weiß das schon nach so vielen Jahren. Wie auch immer… Ein gewisser John Collins soll 1977 mit einigen Kollegen darüber in Streit geraten sein, welcher der auf Hawaii ausgetragene Wettbewerbe wohl der anstrengendste sei: das 3,8 km lange Waikiki-Schwimmen, das Radrennen in Oahu über 180 km oder der Honolulu-Marathon über die klassische 42,195-km-Distanz. Weiterlesen

Handkäs‘ mit Musik und Gabel

Als ich dieser Tage in einer der traditionsreichen Frankfurter Äppelwoi-Wirtschaften saß, hörte ich ungewollt einem oberlehrerhaft geführten Gespräch am Nebentisch zu, in dem es um Handkäs’ mit Musik ging. Ein zweifelsfrei als Tourist auszumachender Gast hatte sich diese Frankfurter Spezialität servieren lassen. Sie bestand aus eben jenem Handkäse, dem das Gericht seinen Namen verdankt, und der dazu gehörenden „Musik”, nämlich Zwiebeln, Pfeffer, Salz, Kümmel, Öl und Essig, garniert mit einer Scheibe dunklen Brotes und Butter.

Eine Frankfurter Spezialität. (Foto: Erich Stör)

Der Kellner lieferte außerdem Messer und Gabel, was den Gast auch sogleich veranlasste, den Verzehr zu beginnen. Als er die Gabel in die Hand nahm, mischte sich ein knorziger Einheimischer – am gleichen Tisch sitzend – ungefragt ein, und erklärte ohne Widerspruch duldend, Handkäs’ mit Musik werde nur mit dem Messer gegessen. Und erklärend fügte er hinzu, mit diesem sei eine Scheibe des Handkäses abzuschneiden und nach dem „Baden” in Essig und Öl entweder direkt in den Mund zu schieben oder auf das Brot zu legen und von dort abzubeißen. Weiterlesen

Kuckucksuhren in Übergröße

Schon der deutsche Dichter Matthias Claudius (1740-1815) sagte: „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen”. Das galt zu seiner Zeit mit ihren beschwerlichen Kutschenfahrten natürlich noch mehr als heute, da der Massentourismus das Reisen zur Alltäglichkeit gemacht hat. Gleichwohl habe ich etwas zu erzählen von einer Autofahrt zum Bodensee, einem kurzen Zwischenstopp in Triberg und Schonach sowie zwei Kuckucksuhren in Übergröße…

Die Dold-Uhr im Stile eines Schwarzwald-Hauses ist besonders attraktiv. (Foto: © adelyne/Fotolia)

Der Schwarzwald hat viele reizvolle Flecken, an denen Kultur, Romantik und Urlaubsfreuden gleichermaßen zu ihrem Recht kommen. Seit in den Fünfziger Jahren der Farbfilm Schwarzwaldmädel (nach der gleichnamigen Operette von Leon Jessel) mit Sonja Ziemann und Rudolf Prack in den deutschen Kinos lief, erinnern sich die Menschen gerne an das ausgedehnte Mittelgebirge im Südwesten der Republik. Triberg und Schonach stehen dabei oft im Fokus, denn außer den üblichen touristischen Ingredienzen – wie etwa dem Wasserfall in Triberg –, sowie dem alltäglichen Uhrenverkauf machen sich noch zwei XXL-Kuckucksuhren „Konkurrenz” und die beiden Städtchen zum Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher.  Weiterlesen

Abschied vom Schottenring

Taufstein (773 Meter) und Hoherodskopf (763,8 Meter) sind die höchsten „Berge” im Hohen Vogelsberg, dem größten zusammenhängenden Vulkangebiet in Mitteleuropa. Ganz in der Nähe entspringt das Flüßchen Nidda, das nach rund 90 Kilometern zwischen den Frankfurter Stadtteilen Nied und Höchst in den Main mündet.

Im Juli 1955 wurde das letzte große Motorradrennen auf dem Schottenring abgewunken. (Foto: Clipdealer)

Als ich kürzlich die Niddaquelle aufsuchte und danach vom nahe gelegenen Parkplatz über die Landesstraße 3291 in Richtung Schotten fuhr, tauchte in der Erinnerung das Bild eines Motorradrennens auf, das just über diese Straße geführt und mich 1955 hierher geführt hatte: – das Spektakel „Rund um Schotten”, bei dem die Elite der damaligen Zeit am Start gewesen war. Der alte Schottenring hat keine lange, aber doch eindrucksvolle Geschichte. Auf ihm waren seit 1925 Motorradrennen ausgefahren worden, unterbrochen 1934 und 1935 durch Straßenbauarbeiten. Auch im Zweiten Weltkrieg gab es keine Rennen.

1947 indessen begann der Sportbetrieb von Neuem. “Rund um Schotten” führte 16,08 Kilometer über normale Stadt-, Dorf- und Landstraßen, der Rundkurs verlief nach dem Start im Uhrzeigersinn durch Schotten und Götzen, von dort zum weitesten Punkt (Karussell) und über Rudingshain zurück zum Start- und Zielpunkt vor Schotten. Bei den ersten Wettbewerben in den Zwanziger Jahren war die Strecke in umgekehrter Richtung befahren worden. Weiterlesen

Weißes Gold, schwarzes Gold

Das Hessische Ried wird im Osten von der Bergstraße und den Ausläufern des Odenwalds, im Westen vom mächtigen Rhein begrenzt, in Nord-Süd-Richtung reicht das Gebiet von der Kreisstadt Groß-Gerau bis hin nach Lampertheim. Des sandigen Bodens wegen ist die Region ideal für den Spargelanbau geeignet, was sich in zahlreichen bäuerlichen Betrieben zeigt, die das oft als „weißes Gold” bezeichnete Gemüse nicht nur an Großkunden liefern, sondern es auch in kleinen Verkaufsständen an den Straßen und in den Ortschaften selbst vermarkten.

Industrie-Denkmal: Die so genannte antike Pferdekopfpumpe auf dem Kühkopf. (Foto: Erich Stör)

Doch das Hessische Ried ist nicht nur vom schmackhaften Spargel der Äcker geprägt, sondern  auch vom „schwarzen Gold” namens Öl, das in mehreren hundert Metern Tiefe im Untergrund lagert.  50 Kilometer südlich von Frankfurt am Main werden kleine Mengen des kostbaren Guts seit Anfang 2018 wieder ans Tageslicht gepumpt. Weiterlesen

Abenteuer des Schienenstrangs

Vom Frankfurter Flughafen fährt der Fahrgast mit der S-Bahn in 13 Minuten zum Hauptbahnhof der Mainmetropole. Die an sich extrem kurze Reise (12 km) lässt sich allerdings auch in 16 Stunden und 12 Minuten bewältigen, wobei die meisten Schnellfahr- und Ausbaustrecken Deutschlands befahren werden. In der Realität wäre eine solche Fahrt natürlich ein eher absonderliches Unterfangen, doch als virtuelle Reise am Computer bereitet sie Spaß.

Ein ICE fährt über die Deutschherrnbrücke in Frankfurt. (Foto: Clipdealer)

Weil es eine reine „Vergnügungsreise” ist, muss ich mich nicht um Fahrkarten und Sitzplatz-Reservierungen kümmern, muss nicht von den gigantischen Milliardenbeträgen reden, die der Steuerzahler für den Ausbau der Strecken aufgebracht hat, nur um schnellere Fahrzeiten zu erreichen. Und auch die vielen berechtigten Proteste der betroffenen Anwohner entlang der neuen Trassen sind anderes Terrain. Weiterlesen

Schmuckstück „Tower Bridge“

Es gibt Millionen von Brücken auf der Erde. Sie alle verbinden getrennte Stadtteile, überqueren Straßen, Gewässer und Eisenbahnlinien, verbinden Inseln mit dem Festland. Für die Mobilität sind sie unverzichtbar. Und viele von ihnen haben eine interessante Geschichte  – so wie etwa die Londoner „Tower-Bridge“.

Die Tower Bridge in London lockt Heerscharen von Fotografen an. (Foto: Oliver Stör)

Alleine im Wohnort des Autors mit etwa 15 000 Einwohnern gibt es zwei Brücken über die Autobahn, drei über oder unter der nahen Eisenbahnlinie und fünf über einen kleinen Bach. Obwohl sie immer den reibungslosen Verkehrsablauf gerantieren, sind sie doch eher unbedeutend – ganz anders als bei den berühmten Brücken dieser Welt.

Eine davon ist die Tower-Bridge in London. Sie gehört zu den am meisten fotografierten Bauwerken überhaupt – kein Wunder, zeugt sie doch von außerordentlicher Kühnheit ihrer Erbauer. Es waren die Architekten Jones, Wolfe-Barry und Stevenson sowie Hunderte von Bauleuten. Heutzutage stehen jeden Tag Hunderte von Touristen in der Nähe der Brücke, zücken ihre Fotoapparate, visieren die von 1886 bis 1894 im neugotischen Stil errichtete Hänge- und Klappbrücke an und machen sie damit zu einem der am meistfotografierten Objekte der Welt.

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Drama um gestohlenes Fahrrad

In einem Zeitungsbericht war dieser Tage zu lesen, dass in Deutschland etwa alle 90 Sekunden ein Fahrrad gestohlen wird. Von den meisten der rund 340.000 Räder, die nach der Statistik pro Jahr verschwinden, sehen die Besitzer nie wieder etwas – „die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen liegt nach Angaben des BKAs seit Jahren unter zehn Prozent.” (Rheinische Post). Bei dieser geringen Aufklärungsquote ist Fahrraddiebstahl so etwas wie das „perfekte Verbrechen“, zumal die Besitzer oft genug leichtsinnig zum Diebstahl einladen – noch immer sind die wenigsten Fahrräder registriert und entsprechend gekennzeichnet. 

Selbst alte Fahrräder werden gestohlen. (Symbolfoto: Clipdealer)

Die Gründe für die Diebstähle sind vielfältig, und nicht immer ist es nackte Not, obwohl auch zunehmende Armut in einer  „Wohlstandsgesellschaft” eine Rolle spielen dürfte. Seit langem wird nämlich bandenmäßiges Vorgehen beobachtet, um die Fahrräder als „Massenware” ins Ausland zu verschieben. Fälle, in denn ein Fahrrad auch „nur” mal mitgenommen wird, um es kurz zu benutzen und dann wieder stehen zu lassen, sind dagegen seltener geworden. Die moderne Art des Fahrraddiebstahls unterscheidet sich gleichwohl in allen Belangen von der Armut und der sozialen Situation der Menschen, die den italienischen Regisseur Vittorio de Sica 1948 zu seinem Film-Klassiker Fahrraddiebe (Originaltitel: „Ladri di biciclette”) inspirierte, den ich kürzlich wieder einmal im Fernsehen sah. Weiterlesen

Wo Büchner geboren wurde…

Das alte Fachwerkhaus in Goddelau, einem Ortsteil von Riedstadt im Südhessischen, steht ansehnlich, fast wuchtig in der Weidstraße 9. Weiße Fensterrahmen und grüne Klappläden zieren das Haus, die Holzbalken sind von blassem Rot, das Mauerwerk hell. Zwei Bänke vor dem Eingang, ein gepflasterter Hof, im Garten kleine Rosenhecken. In diesem 1665 erbauten Haus wurde am 17. Oktober 1813 ein gewisser Georg Büchner geboren, der heute Goddelaus berühmtester Sohn ist. 

Blick auf das Büchner-Hause in Goddelau. (Foto: Erich Stör)

Als Büchner im ersten Stock das Licht dieser Welt erblickte, war das Fachwerkhaus selbst schon fast 150 Jahre alt. Sein Vater arbeitete damals etwas abseits von Goddelau in jenem Krankenhaus, das auch heute noch als „Zentrum für Soziale Psychiatrie Philippshospital” existiert. Büchner lebte allerdings nur zwei Jahre in Goddelau, dann verzogen die Eltern nach Darmstadt in die Grafenstraße 39. Büchners rebellische Lehr- und Wanderjahre führten ihn als jungen Mann von Darmstadt über Gießen und Straßburg ins Exil nach Zürich, wo er an Typhus erkrankte und im Alter von nur 23 Jahren starb.  Weiterlesen

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