Der Zweite Weltkrieg endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands. Die meisten Großstädte waren zerstört, so auch die Frankfurter Innenstadt. Unzählige Häuser lagen in Schutt und Asche, darunter viele kulturelle Einrichtungen und fast alle Kinos der Stadt, doch gerade die Lichtspielhäuser wurden von den amerikanischen Truppen als wichtige Stätten für die so genannte Reeducation („demokratische Umerziehung”) angesehen und die Wiedereröffnungen vorangetrieben.

Als erstes Kino nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Lichtburg in der Kaiserstraße 74 am Frankfurter Hauptbahnhof wieder mit Filmvorführungen. Schon Ende Juli 1945 wurde das alteingesessene Haus wieder eröffnet und gespielt wurden zunächst „Kulturfilme” aus den USA (zum Beispiel „Das Tennessee Tal” oder „Der Jeep”). Außerdem wurde die Wochenschau „Welt im Film” gezeigt, die von Amerikanern und Briten bereits am 18. Mai, also zehn Tage nach Kriegsende, zum ersten Mal produziert worden war. Am 15. August 1945 nahm die Schauburg in der Bornheimer Berger Straße den Betrieb mit dem amerikanischen Film „Die ewige Eva” wieder auf – zwar noch in Originalfassung, aber mit einkopierten deutschen Untertiteln.

Die Kinos als Unterhaltungstempel schnell wieder zu eröffnen und mit eigenen Filmen zu bestücken, spielte in den Überlegungen der US-Army eine zentrale Rolle, sollte doch mit den eigens ausgesuchten US-Streifen ein Beitrag zur Reeducation geleistet werden. So notierte Erich Pommer, ehemals UFA-Produktionschef und als zurückgekehrter Emigrant und „Control Officer” maßgeblich an der Neuorientierung des Filmwesens in den Westzonen beteiligt, am 24. Mai 1945:

„Eine reorganisierte deutsche Filmindustrie kann zu einem unserer wirkungsvollsten Mittel bei der Umerziehung des deutschen Volkes zu einem demokratischen Miteinander werden, vorausgesetzt, dass gleichzeitig alle Möglichkeiten geschaffen werden, die eine sorgfältige Überwachung und strikte Kontrolle über viele Jahre garantieren.”

Aus solcherart ideologischen Erwägungen heraus wurde zunächst der „Amerikanische Militär-Filmverleih” installiert. Schon bald wurde er von der „Motion Pictures Export Association (MPEA) ersetzt, einem Zusammenschluss der zu dieser Zeit mächtigsten Hollywood-Konzerne Metro-Goldwyn-Mayer, Paramount, Allied Artists, Republik, Universal, Warner, United Artists, Columbia, 20th Century Fox und RKO.

Die Militärbehörden genehmigten allerdings auch schnell wieder deutsche Filme aus der Nazizeit, die als unbedenklich eingestuft worden waren, darunter „Komödianten”, „Wir machen Musik”, „Hundstage”, „Hauptsache glücklich”, „Ich brauche Dich”, „Tonelli” „Die Frau meiner Träume”, „Das Bad auf der Tenne” und andere. Diese Reprisen wurden auch von der Bevölkerung sogleich mit Freude aufgenommen, musste man sich doch nicht mit dem Lesen von Untertiteln abquälen.

Auch der Neubau von Kinos wurde von den Amerikanern unterstützt – zumindest mit  eindringlichen Worten. So schrieb die US-Filmkontrolle im Dezember 1945 an das Bauamt der Stadt Frankfurt:

„ …Herrn Friedrich Wollenberg für das Luxor, wenn irgend möglich, die Bauerlaubnis zu erteilen und ihn bei seinen Wünschen zwecks Belieferung von Baustoffen nach Kräften zu unterstützen.”

Was andere Lichtspielhäuser anbetraf, wurde schon in den zwei ersten Jahren nach Kriegsende einiges gebaut oder renoviert. Anfang März 1947 spielten in der Frankfurter Innenstadt und in den etwas weiter außerhalb liegenden Stadtteilen bereits wieder 14 Kinos. Es waren dies die Schauburg und das Apollo in Bornheim, die Harmonie in Sachsenhausen, das Titania in Bockenheim sowie in der Bahnhofsgegend die Lichtburg und das Hansa. Außerdem das Provisorium Zoo-Lichtspiele im Ostend. 

In den Vororten hatten die Ton-Lichtspiele (Rödelheim), das Union (Sindlingen), die Anker-Lichtspiele (Fechenheim), das Regina (Eckenheim), die Lichtspiele (Bonames) sowie Römer und Casino (Höchst) die Vorführmaschinen wieder in Betrieb genommen.

Küchenstühle 

Nach zwei Jahren hatte sich das Kinoleben in Frankfurt am Main merklich erholt. Weitere Theater belebten die Innenstadt. Die Scala in der Schäfergasse startete im September 1947 mit dem Film „In Ketten um Kap Horn”, das Bieberbau an der Hauptwache eröffnete am 20. Dezember 1947 – bestückt mit Küchenstühlen –  mit dem Nachkriegsfilm „Und über uns der Himmel”, das Luxor am Hauptbahnhof begann seine Vorführungen am 27. März 1948. 

Am 16. November 1948 flimmerten die ersten Bilder über die Leinwand des Roxy in der Vilbeler Straße („Reise ohne Hoffnung”), das Eden im Ostend folgte wenige Tage später mit dem französischen Streifen „Und es ward Licht…”

Weihnachten 1948 spielen 29 Kinos

Weihnachten 1948 war die Anzahl der Kinos auf 29 gestiegen. In den Stadtteilen und Vororten hatten das Wall-Kino (Sachsenhausen), das Schwanen (Bockenheim) sowie Delphi und UT (beide Preungesheim), das Atrium (Heddernheim), die Römer-Lichtspiele (Praunheim), das Central-Theater (Griesheim), die Nidda-Lichtspiele (Nied), das Luna (Höchst) und das Riederwald-Kino ihren Betrieb wieder aufgenommen. Das war erst der Anfang…  Und ist auch eine gänzlich andere Geschichte.


Anmerkungen: Dieser Beitrag des Autors ist eine überarbeitete Fassung eines ähnlichen Berichts auf der Website „DamalsKino”. – Quellen des Beitrags: Archivmaterial der Zeitung „Frankfurter Rundschau” – Zitat von Erich Pommer aus „Lebende Bilder einer Stadt”, zitiert von Rudolf Worschech aus dem Buch „Erich Pommer, ein Produzent macht Filmgeschichte” (Berlin 1989) – Zitat aus dem Brief der US-Filmkontrolle an das Bauamt der Stadt Frankfurt: aus dem Nachlass von Friedrich Wollenberg, aufbewahrt im Deutschen Filmmuseum.