Der russische Kosmonaut Alexej Leonow war der erste Mensch, der bei einem Raumflug in den freien Raum ausstieg. Das war am 18. März 1965, also vor über 52 Jahren. Heutzutage sind Ausstiege Routine, damals war es eine Sensation. An das Ereignis erinnert sich heute kaum noch jemand.  Auch heute, wenn Weltraumflieger aller Herren Länder aus der Internationalen Raumstation (ISS) aussteigen, um dann oft stundenlang im freien Weltraum zu arbeiten, wird das in der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Es ist längst zur Routine geworden. Als 1965 der damals 31 Jahre alte Leonow jedoch die Kapsel Woschod 2 durch eine Luftschleuse verließ und sich an einer langen Leine 12 Minuten und neun Sekunden im Vakuum aufhielt, war dies eine Sensation.

Heute schon Routine, doch Leonow war der Erste. (Foto: © ESA)

Um 10.00 Uhr Moskauer Zeit war die Rakete von der Startrampe 1 in Baikonur mit ihm und Kommandant Pawel Beljajew gestartet worden. Neun Minuten später trat das Schiff in die Umlaufbahn ein. Die kleinste Entfernung von der Erdoberfläche betrug 173, die größte 498 Kilometer. Der Neigungswinkel der Umlaufbahn zur Erdoberfläche betrug annähernd 65 Grad, eine Erdumkreisung dauerte 90,9 Minuten. Verantwortliche für die Durchführung des Fluges waren die so genannte Staatliche Kommission und Chefkonstrukteur Sergej Pawlowitsch Koroljow.

Der Flug war zwar erfolgreich und ist ein bedeutendes historisches Ereignis der Raumfahrt. Doch während des Fluges gab es drei äusserst kritische Situationen. Weil sich der Raumanzug Leonows während seines Weltraumausstiegs unerwartet stark aufgebläht hatte, kam er nicht mehr durch die enge Schleuse zurück ins Raumschiff. Nur durch eine riskante und lebensgefährliche Absenkung des Sauerstoffdrucks schaffte er es, in die Woschod zurückzukehren.

Notlandung in Sibirien

Als dann die Rückkehr zur Erde beim 16. Umlauf eingeleitet werden sollte, versagte die dafür vorgesehene Landeautomatik, so dass im 18. Umlauf eine handgesteuerte Variante eingeleitet wurde. Aufgrund der zwei zusätzlichen Erdumkreisungen verschob sich jedoch auch der vorgesehene Landeplatz nach Sibirien.

Die Notlandung erfolgte 180 Kilometer nordöstlich von Perm in einem hohe gelegenen, unzugänglichen und dicht verschneiten Tannenwald. Zwei Nächte mussten Leonow und Pawel Beljajew dort unter unwirtlichen Verhältnissen ausharren, ehe sie von den Rettungsmannschaften geborgen werden konnten – was allerdings von der sowjetischen Presse verschwiegen wurde.

Kopplung mit Apollo

Während Pawel Beljajew bereits im Januar 1970 nach einer schweren Magenerkrankung verstarb, machte Leonow – er war zuvor auch für eine Landung auf dem Mond vorbereitet worden –, zehn Jahre nach seinem Ausstieg noch einmal Schlagzeilen, als er als Kommandant von Sojus 17 mit der amerikanischen Apollo koppelte – was damals als Meilenstein in der Entspannungspolitik angesehen wurde. Danach war Leonow im Interkosmos-Programm für die Vorbereitung der Raumflieger sozialistischer Länder – darunter auch des DDR-Bürgers Sigmund Jähn – verantwortlich.