Küchenstühle im Bieberbau

Der Zweite Weltkrieg endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands. Die meisten Großstädte waren zerstört, so auch die Frankfurter Innenstadt. Unzählige Häuser lagen in Schutt und Asche, darunter viele kulturelle Einrichtungen und fast alle Kinos der Stadt, doch gerade die Lichtspielhäuser wurden von den amerikanischen Truppen als wichtige Stätten für die so genannte Reeducation („demokratische Umerziehung”) angesehen und die Wiedereröffnungen vorangetrieben. Bald wurde wieder Licht in den Kinos…

Das Harmonie-Kino am Lokalbahnhof in Frankfurt existiert heute noch… (Foto: Erich Stör)

Als erstes Kino nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Lichtburg in der Kaiserstraße 74 am Frankfurter Hauptbahnhof wieder mit Filmvorführungen. Schon Ende Juli 1945 wurde das alteingesessene Haus wieder eröffnet und gespielt wurden zunächst „Kulturfilme” aus den USA (zum Beispiel „Das Tennessee Tal” oder „Der Jeep”). Außerdem wurde die Wochenschau „Welt im Film” gezeigt, die von Amerikanern und Briten bereits am 18. Mai, also zehn Tage nach Kriegsende, zum ersten Mal produziert worden war. Am 15. August 1945 nahm die Schauburg in der Bornheimer Berger Straße den Betrieb mit dem amerikanischen Film „Die ewige Eva” wieder auf – zwar noch in Originalfassung, aber mit einkopierten deutschen Untertiteln. Weiterlesen

Stippvisite in Philadelphia

Ein Aufenthalt in der us-amerikanischen Stadt Philadelphia, in der vor über 200 Jahren sowohl die Verfassung als auch die Unabhängigkeitserklärung der USA verkündet wurden, ist auch heutzutage höchst interessant – und danach lassen sich viele Besucher in Kutschen um das berühmte Gebäude fahren.

Eine Fahrt mit der Kutsche rund um die Independent-Halle in Philadelphia. (Foto: Clipdealer)

Vom Filmklassiker The Philadelpia Story,  der in Deutschland einst als Die Nacht vor der Hochzeit  in die Kinos kam, und mit Katharine Hepburn, Cary Grant und James Stewart brillant besetzt war, rede ich hier nicht, sondern von jenem politischen Ereignis, das Philadelphia in die Geschichte eingehen ließ.  Denn die Entscheidung, sich von Großbritanninen loszusagen, fiel vor langer Zeit in der heute fünftgrößten US-Stadt an der Ostküste des Landes und machte die USA in der Folge zur Weltmacht Nr. 1. Weiterlesen

Jim Clarks Tod in Hockenheim

Kälte, Regenschauer, verbunden mit neblig-trüben Wolkenschwaden: der 7. April 1968 war – wie man heute lässig sagt – ein „gebrauchter” Tag. Es war jener Sonntag, an dem Jim Clark, zweimaliger Formel 1-Weltmeister (1963 und 1965) und Sohn eines schottischen  Schafzüchters, auf dem Hockenheim-Ring in Nordbaden um’s Leben kommen sollte. Zum Schafe züchten, was Clark nach seiner Rennfahrer-Karriere gerne gemacht hätte, blieb ihm keine Zeit mehr. Sein Leben endete abrupt.

Zum Schafe züchten in den schottischen Highlands blieb Jim Clark keine Zeit mehr. (Foto: Clipdealer)

Clark war Nichtraucher, aber doch in Sachen Werbung unterwegs für eine britische Zigarettenmarke. Das war nichts außergewöhnliches, denn Sportsponsoring wurde zu jener Zeit immer wichtiger für die Rennställe, auch für den von Konstrukteur und Lotus-Eigner Colin Chapman, für den der 32 Jahre alte Jim Clark an den Start ging. Der Schotte aus Kilmany in der Grafschaft Berwickshire war kein heuriger Hase. Bereits 1963 war er erstmals Formel 1- Weltmeister geworden, noch herausragender war für ihn jedoch das Jahr 1965 verlaufen, weil neben der Formel 1-WM auch die „500 Meilen von Indianapolis” für Teamchef Chapman und das Team Lotus ganz oben auf der Prioritätenliste standen. Weiterlesen

Rosa Luxemburg im Titania

Das Haus Basaltstraße Nr. 23 im Frankfurter Stadtteil Bockenheim mit dem Titania im Hof beherbergte einst eine Eisfabrik, eine Liederhalle, war Gewerkschaftshaus und danach sogar lange Zeit Kino. Das Gebäude hat wahrlich eine vielfältige Geschichte. Der politische Aspekt spielte dabei immer eine wichtige Rolle.

Gedenktafel am Haus Basaltstraße 23 in Frankfurt-Bockenheim. (Foto: Erich Stör)

Eine Gedenktafel erinnert an einen Auftritt von Rosa Luxemburg. Ich erinnerte mich daran, als ich dieser Tage an dem Haus vorbeiging. Hier hielt die aus Polen stammende Sozialistin Rosa Luxemburg am 26. September 1913 ihre flammende Rede gegen Militarismus und Krieg, worauf sie von den kaiserlichen Behörden umgehend „wegen Aufruhrs” verhaftet wurde.

Rosa Luxemburg musste zwar zunächst wieder freigelassen werden, wurde aber im Februar 1914 wegen der „Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und Anordnungen der Obrigkeit“ zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt.

An dem Haus, an dem die Sozialistin ihre Rede hielt, hat die „Hessische Rosa-Luxemburg-Stiftung” eine Erinnerungstafel anbringen lassen, auf der die Geschehnisse von damals in Kurzfassung festgehalten sind. Weiterlesen

„Mord mit Aussicht“ im Abseits

Also: Einmal wurde sogar eine Leiche im Radioteleskop von Effelsberg gefunden. Ein Fall für Sophie Haas und ihre Mitarbeiter in der Krimi-Comedy Mord mit Aussicht –  doch auch in der Folge Sonne, Mond und Sterne wurde der Täter überführt. Und zwar auf höchst amüsante Weise So wie immer, wenn die Fernsehserie im Abendprogramm der ARD lief. Doch die Zeit verrinnt. Die letzte aktuelle Folge wurde 2014 gesendet. Viele Monate sind seitdem ins Land gegangen, und die Hoffnung, dass es noch eine vierte Staffel geben würde, schwinden dahin.

Im Radioteleskop von Effelsberg wurde in einer Mord-mit-Aussicht-Folge eine Leiche gefunden. (Foto: Clipdealer)

Obwohl in den Dritten Programmen gelegentlich Wiederholungen der Krimi-Komödie zu sehen sind, gehe ich davon aus, dass es keine weiteren Filme geben wird, auch wenn ich mich in dieser Hinsicht gerne eines Anderen belehren lasse. Weiterlesen

Kanapee am Straßenrand

Der Tag ist hellgrau. Dünn blinkt zwischen weißen Wolken ein Lichtstrahl aus Messing. Die fahle Sonne erhellt eine merkwürdige Szenerie. Auf dem schmalen Bürgersteig in Walldorf steht eine zersplitterte Küchenplatte, daneben ein kleiner Schreibtisch, dem drei Füße fehlen.  Und ein dreibeiniger, wackeliger Stuhl hält sich mit der Sitzfläche mühsam an einer Küchenspüle fest. Früher verchromt, hat sie sich längst dem fressenden Rost ergeben.

Ein altes Sofa steht am Straßenrand, bereit für die Sperrmüll-Abfuhr. (Foto: Erich Stör)

Sperrmüll-Tag! Unzählige Sachen, die der Mensch nicht mehr braucht, wenn er sich Neues ins Haus holt, kann (und muss) entsorgt werden. All die Dinge, die zu groß oder zu sperrig ist, um sie der Restmüll-Tonne zu entsorgen. Am Straßenrand steht einsam und verlassen ein gelblich-beiges Sofa, das bessere Tage längst hinter sich gelassen hat. Weiterlesen