Das Fahrrad feiert Geburtstag

Zweihundert Jahre Fahrrad im Jahr 2017!  Das lädt dazu ein, einige Aspekte dieses Fortbewegungsmittels zu beleuchten. Es war ein gewisser Karl Freiherr von Drais, der 1817 das so genannte Laufrad erfand – ein schwerfälliges Monstrum, bestehend aus einem massiven Holzkonstrukt mit zwei Rädern, dessen Antrieb aus nichts anderes bestand als den eigenen Beinen. Mit seinen Füßen musste sich der Fahrer immer wieder vom Boden abstoßen, um überhaupt vorwärts zu kommen. Pedale hatte das mit eigener Kraft zu bewegende „Fahrrad” (noch) nicht. Immerhin schaffte es der damals 32 Jahre alte Freiherr, am 12. Juni 1817 vierzehn holprige Kilometer zwischen Mannheim und Schwetzingen in einer Stunde zurückzulegen.

Das Fahrrad ist heute Familiengut. (Foto. Clipdealer)

Nach ihrem Erfinder wurde das Laufrad fortan „Draisine” genannt, doch so recht konnte sich die eigentlich revolutionäre Erfindung nicht durchsetzen. Das seltsam anmutende Gefährt blieb lange ein Spielzeug für gut Betuchte, die Bedeutung für die Mobilität der Menschen wurde nicht erkannt. Und auch Freiherr Drais erlebte den späteren Siegeszug seiner Erfindung nicht mehr, vielmehr verstarb er 1851 in völliger Armut.

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Naturparadies Mönchbruch

Ganz in der Nähe von Mörfelden-Walldorf liegt das Naturschutzgebiet Mönchbruch. Es erstreckt sich vom nördlichen Ende Walldorfs bis hin zur Bundesstraße 486 zwischen Mörfelden und Rüsselsheim. Ein Spaziergang im Frühjahr oder Sommer lohnt sich immer… 

Blick in die Mönchbruch-Landschaft (Foto: Oliver Stör)

Wer in der morgendlichen Dämmerung unterwegs ist, kann auf den Wiesen bei guten Licht  oft Rehe beobachten; auch Dam- und Schwarzwild tummelt sich hier. Tagsüber sind viele Besucher mit Fotoapparaten oder auch mit Feldstechern ausgerüstet, um die verschiedenen Vögel im Bild festzuhalten oder auch nur zu beobachten.

Für Foto-Liebhaber bietet der Mönchbruch unglaublich interessante Motive, denn Schwarzmilane, Eisvögel, Waldohreulen, Reiher und Störche bewegen sich in dem weitläufigen Gelände, sogar Kanadagänse mit Küken sind hier zu Hause. Erlen, Wassergräben, alte Eichen und Sumpfwald prägen das Bild der Landschaft. Als ich an diesem schönen Tag im Frühling den Weg entlang wandere, erlebe ich als nur stiller Beobachter immer wieder diese einzigartige Vielfalt.

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Zehn Spronser Wasserpfützen

Im Grunde genommen sind es ja nur Pfützen, aber zusammen doch eine beeindruckende Gruppe von zehn Gewässern: Das sind die Spronser Seen nordwestlich von Meran in Südtirol gelegen, und zugleich die bedeutendste und größte hochalpinen Seeplatte Europas. In einer Höhe zwischen 2100 und 2500 Metern befindet sie sich im Herzen der Texelgruppe, dem südlichen Teil Ötztaler Alpen.

Der Langsee ist die größte „Pfütze“ der Seenplatte (Foto: © MGM/Alex Filz)

In dieser Höhe gibt es reichlich Schnee im Winter und manchmal finden sich selbst im Hochsommer noch Reste der weißen Pracht an den Ufern, was ein wahrer Glücksfall für das im Tal liegende Meran ist, werden doch die Kurstadt und einige der umliegenden Gemeinden von hier aus mit Trinkwasser versorgt.

Interessante Wandertouren gehen an den Seen vorbei und sind ein abenteuerliches Erlebnis, wobei Schwindelfreiheit und Trittsicherheit Voraussetzung sind, geht es gelegentlich doch auch über haarige Pfade und Kanten, die mit Stahlseilen gesichert sind. Diese Bergtour erfordert auf jeden Fall Ausdauer und Durchhaltevermögen, ist sie doch mit rund neun Stunden Auf- und Abstieg (einschließlich Rast) kein Pappenstiel. Weniger Geübte sollten das berücksichtigen.

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Señor Alonso im Nudeltopf

Als im April 2017 bekannt wurde, dass der spanische Formel 1-Exweltmeister Fernando Alonso auf den WM-Lauf in Monaco (Monte Carlo) verzichtet, und statt dessen beim berühmten 500 Meilen-Rennen von Indianpolis startet – eine Nachricht, deren Bedeutung nicht jedermann auf Anhieb begriff –, rief ich mir in Erinnerung, welche Rolle dieses „Indy 500” in der Geschichte des Motorsports gespielt hat und immer noch spielt.

Alonso auf der Suche nach neuen Herausforderungen. (Foto: Clipdealer/Swift Publisher)

Jedes Jahr im Mai geht in Indianapolis dieses spektakulärste Autorennen der Welt über die Bühne, bei dem sich 400 000 Zuschauer auf den Tribünen tummeln. Und nachdem das Publikum der mit viel Pathos und Inbrunst vorgetragenen, inoffiziellen Hymne des US-Bundesstaates Indiana („Indiana Back Home Again”) gelauscht hat, steigen Tausende von Luftballons in den Himmel und es ertönt die knappe Aufforderung: „Gentlemen start your engines!”, was nichts anderes heißt, als „Meine Herren, starten Sie ihre Maschinen!“ Und mit infernalischem Gebrüll starten danach die Boliden und im „Nudeltopf” – so genannt wegen der ovalen Form der Piste – beginnt die Hetzjagd über 500 Meilen (804,672 Kilometer).

Die vier Kurven, die genau genommen gar keine sind, sondern das lang gezogene „Rechteck” nur abrunden, sind höchst gefährlich. Wenn hier mit einem Tempo von über 350 km/h vorbeigerast wird, verengen sich für die Piloten die Bogen bei neun Grad Überhöhung geradezu dramatisch und erfordern an den Lenkrädern höchste Präzision. Unachtsamkeiten verzeiht der Kurs, der entgegen dem Uhrzeigersinn befahren wird, in keiner Sekunde.

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Schmalz von den Capri-Fischern

Rudi Schuricke, Schnulzensänger, machte den Schlager von den Capri-Fischern Ende der Vierziger Jahre berühmt und zum Dauerbrenner bei den Radiosendern. Der Ohrwurm traf das Lebensgefühl der Deutschen nach dem Krieg. Als ich dieser Tage auf einen Youtube-Beitrag dieses Uralt-Schlagers stieß, weckte das nicht nur wieder Erinnerungen an das Lied selbst, sondern auch an die Nachkriegszeit in Deutschland, die geprägt war von Währungsreform, Wiederaufbau und ersten wirtschaftlichen Erfolgen. Und auch die Reiselust stieg ja zu dieser Zeit. Wohin des Weges? – so fragen sich viele. Dorthin, wo die Sonne im Meer versinkt…? Italien scheint alle Träume zu erfüllen, und wird bald neben Österreich das beliebteste Urlaubsziel der Deutschen.

Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt… (Foto: Swift Publisher)

Als die Käfer die Landstraßen zu erobern beginnen, tuckern bald immer mehr VW-Besitzer über die Alpenpässe nach Südtirol, bevorzugt auch an Gardasee und Adria-Strände. Die Lust auf Italien wird zu dieser Zeit vor allem durch einen Schlager befeuert, der Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre überall aus den Radios plärrt oder als Schallplatte strapaziert wird: Die Capri-Fischer…, eben jene, bei denen die Sonne im Meer versinkt.

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Alte Frankfurter Fußballliebe

Der FSV Frankfurt – ein Verein mit sehr bewegter Vergangenheit – ist 2016 aus der Zweiten Fußball-Bundesliga abgestiegen und kickte eine Saison in der Dritten Liga; dort ging es weiter abwärts, bis die Fußballabteilung Insolvenz anmelden musste. Das bedeutet Neuanfang in der Regionalliga und ist bitter für den Traditionsverein aus dem Frankfurter Stadtteil Bornheim und genauso unerfreulich für die Fans. Schließlich hat jeder Anhänger seine Lieblingsvereine: Die „Löwen” aus München zum Beispiel, die „Clubberer” aus Nürnberg, oder halt den Fußballsportverein, der einst in der Süddeutschen Oberliga eine beachtliche Rolle spielte.

Zu viele Bälle flogen in das FSV-Netz… (Foto: Clipdealer)

Auch das Herz des Autors schlägt für eben diesen FSV. Mit Freude erinnere ich mich an alte Zeiten, Jahrzehnte zurück… Als Bub tippelte ich oft von Sachsenhausen, dem südlichen Frankfurter Stadtteil, zum Bornheimer Hang, was ein ziemlich weiter Weg war, aber ich wollte das Geld für die Straßenbahn sparen.

Am Hang, wie das Stadion kurz genant wurde, hatten es mir drei Spieler angetan, die Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre Jahre bei den Blau-Schwarzen spielten. Das waren der ehemalige Nationaltorhüter Willibald Kreß, der Stürmer Richard Herrmann und Mittelläufer Heiner Dietsch. Sie alle interessierten mich aus ganz unterschiedlichen Gründen, sowohl was ihre sportlichen Leistungen als auch ihre persönliche Vita betraf.

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Lokalbahn nach Offenbach

Im dichten Frankfurter S-Bahn-Netz gibt es an der Mühlbruchstrasse die Station „Lokalbahnhof”. Sie erinnert an den alten Haltepunkt, der bis 1955 die Städte Frankfurt und Offenbach verband. Vom alten Bahnhof selbst ist dort nichts mehr zu sehen; heute steht hier ein Geschäftsgebäude, Gleise der Straßenbahn befinden sich an jener Stelle, an der das Abfertigungsgebäude stand. An der nahen Kreuzung treffen Darmstädter Landstrasse, Textor- und Dreieichstrasse aufeinander. Eine Gaststäte trägt ebenfalls den Namen Lokalbahnhof. Auf der anderen Straßenseite ist immer noch das altehrwürdige Harmonie-Kino in Betrieb. Verschüttete Erinnerungen an Sachsenhausen werden wach, als ich dieser Tage hier vorbeigehe…

Unterwegs zwischen Frankfurt und Offenbach (Symbolfoto: Swift Publisher)

Ende Februar 1944 bin ich zum ersten Mal mit der Bahn gefahren, wenige Groschen hat es gekostet, ich musste für meine Eltern einen wichtigen Brief auf einem Amt in Offenbach abgeben. Es war meine erste Bahnreise in die nahe, fremde Stadt. Der dortige Endpunkt befand sich am Dreieck der Dom-, Bahnhof-, Kaiserstraße, heute verläuft dort die Berliner Straße.

Unterwegs hat die Lokalbahn inmitten der prächtigen, weitläufigen Gärtnereien von Oberrad angehalten. Das merke ich mir, denn einige Tage später, es ist Anfang März, fahre ich – diesmal nur zum Vergnügen – wieder mit der Lokalbahn und steige an der Haltestelle Oberrad aus. Von dort aus ist es zu Fuß nicht weit an das Mainufer. Dort haben einige Frankfurter Rudervereine ihr Domizil, es sind freilich kaum Boote auf dem Wasser, die meisten Sportler sind als Soldaten im Kriegseinsatz.

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Erinnerungen an Paul Kemp

Charakterkomiker – das ist die wohl treffendste Einordnung eines Mannes, der in Filmen und auf der Bühne stets mit leisen Tönen agierte, gleichwohl (oder gerade deswegen) ein breites Publikum für sich einnahm. Sein Name ist Paul Kemp. Als ich vor einiger Zeit für den Bericht über die „Jazzlegenden im Althoff-Bau” in alten Zeitungen recherchierte, stieß ich auf den Namen dieses Schauspielers, der in der Vor- und Nachkriegszeit in vielen deutschen Filmen mitwirkte, ohne aber je zum ganz großen Star zu avancieren. In einer kleinen Annonce warb Franz Althoff für eine Weihnachtsaufführung des Theaterstückes „Der keusche Lebemann” mit Kemp in der Hauptrolle.

Paul Kemp (rechts) auf dem Filmbühne-Programm „Absender unbekannt“, zusammen mit Bruni Löbel und Hans Richter (Foto: © Filmverlag Christian Unucka)

Bereits wenige Monate zuvor war ich dem Schauspieler begegnet, als im August 1951 im Frankfurter Turmpalast der Film „Mutter sein dagegen sehr” uraufgeführt wurde. Dazu lud Pressechef Schneider von der Verleihfirma Siegel-Monopol auch journalistisch noch eher unbeschriebene Mitarbeiter von Schülerzeitschriften zum offiziellen Pressegespräch mit den Darstellern ein, immerhin spielten Kinder und Heranwachsende eine zentrale Rolle in dem Film. Kemp war im Umgang zuvorkommend, kümmerte sich freundlich um die jungen „Schreiberlinge”, unter denen sich auch der Autor dieses Beitrages befand. Für uns Jung-Reporter war das eine angenehme Erfahrung, gehörte doch der Schauspieler zu jenen, die man damals schon allgemein als prominent einstufte.

Nur noch wenige Menschen werden sich an den pfiffigen Charakterkomiker erinnern, Ältere mögen das Bild des kauzigen Mannes schärfer vor Augen haben. Kemp agierte bei seinen Darstellungen mit leisen Tönen und sein charmantes Lächeln gepaart mit verhaltenem Witz rettete so manchen deutschen Film, obwohl er immer nur in Chargenrollen eingesetzt wurde. In Frankfurt war er zuletzt vor Beginn des Krieges auf der Bühne aufgetreten: – im legendären Schumann-Theater am Hauptbahnhof.

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Warmes Essen und Evolution

Gekochtes Essen dient nicht nur der notwendigen Nahrungsaufnahme des Menschen, sondern die Zubereitung selbst ist zu einem Spaßfaktor geworden, dem das Fernsehen einen beträchtlichen Teil seiner Sendezeit widmet. Ob es nun „Die Küchenschlacht” ist, ob „Restaurant-Tester” oder „Der Vorkoster” – schlicht alles, was mit Essen und Trinken zu tun hat, findet den Weg auf die Bildschirme.

Warme Speisen brachten einen Evolutionsschub…. (Zeichnung. Swift Publisher)

Nicht nur Profis kochen in diversen Restaurantküchen was das Zeug hält, auch Millionen von Hausfrauen müssen sich am heimischen Herd mit dem Kochen beschäftigen, dazu werkeln unzählige männliche Hobby-Köche mit Topf und Pfanne. Das „Erwärmen von Speisen” ist zu einem wahren Volkssport geworden. Dieses Warmmachen und das daraus entstandene Kochen sollen dem Menschen sogar den entscheidenden Evolutionsschub gegeben haben.

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